Cinemathek

A Knight of the Seven Kingdoms · Game of Thrones, Episode 8.2 | Kritik

Zuletzt aktualisiert am 7. Mai 2019 um 5:58

Die zweite Episode der achten Staffel von Game of Thrones trägt den Originaltitel A Knight of the Seven Kingdoms. Sie wurde, wie schon die vorausgehende Episode, von Regisseur David Nutter inszeniert und am 21. April 2019 veröffentlicht. Jener zuweilen gehörte Vorwurf gegen Staffel 7, dass Handlungsstränge zu überhastet abgespult würden, lässt sich gegen die finale Staffel bis dato nicht erheben. Die insgesamt 69. Folge nun, die von dem gestandenen GoT-Autor Bryan Cogman geschrieben wurde, tritt extrem auf die Action-Bremse. Sie könnte auch »Die Ruhe vor dem Massensterben« heißen. Die Frage ist nur: Wer wird sterben?

Score vom Bleiben
Beitragsbild zur Game-of-Thrones-Episode »A Knight of the Seven Kingdoms«

Hinweis: Folgender Blogbeitrag über die GoT-Episode A Knight of the Seven Kingdoms enthält keine Spoiler zu Staffel 8 (abgesehen davon, dass die hier genannten Charaktere offensichtlich noch leben).

Die Nacht vor der Schlacht

Jamie Lannister (Nikolaj Coster-Waldau) findet sich »vor Gericht« wieder. In eben jenem Saal und vor einem ähnlichen Tribunal wie einst der zwielichtige Petyr Baelish. Doch der »Königsmörder« hat etwas mehr Fürsprecher als Baelish seinerzeit, unter anderem Brienne von Tarth (Gwendoline Christie). Jamie bekommt sogar die Gelegenheit, einige Worte an Bran (Isaac Hempstead-Wright) zu richten – jenen Stark-Sohn, für dessen Behinderung er verantwortlich ist. Bran allerdings sinnt nicht nach Rache. Er steht längst über solch nichtigen Dingen. Von seiner Heldenreise, die zu den wohl ungewöhnlichsten Odysseen in der Welt rund um Westeros gehört, soll nun auch Tyrion Lannister (Peter Dinklage) erfahren. Und zwar beim abendlichen Plausch am Kamin. Überhaupt sind die Menschen in der Burg Winterfell in einer leutseligen, lustvollen Stimmung, so kurz vor dem drohenden Tod. Noch vor dem nächsten Sonnenaufgang soll die Armee der Weißen Wanderer eintreffen.

Über die kommende Folge – Episode 3 von Staffel 8 – wurde bereits im Dezember 2018 vieles gemunkelt. Fans der Serie wissen bereits: eine epische Schlacht steht bevor. Da Game of Thrones die Messlatte für »episch« verdammt hoch geschoben hat, dürfen wir einiges erwarten. Daher konnte die Folge A Knight of the Seven Kingdoms es ganz entspannt angehen. Sie spielt komplett auf der Burg Winterfell und fängt die Ruhe vor dem Sturm ein. All die lieb gewonnenen, längst ans Herz gewachsenen Figuren prosten sich zu, sprechen sich aus, offenbaren einander ihre Geheimnisse oder lieben sich, schlicht und einfach. Denn diese Nacht könnte ihre letzte sein.

Der lange Schatten Targaryens

Jeder anderen Episode von Game of Thrones hätte man dermaßen wenig Action und Schauwert wohl vorgeworfen. Im gegebenen Kontext allerdings sorgt die grundlegende Stimmung in den Festungsmauern allein schon für ein wohliges Kribbeln im Bauch. Wobei »wohlig« nicht ganz stimmt, angesichts dem bevorstehenden Ableben wer weiß wie vieler Serienlieblinge. Apropos: Für den Bryan Cogman war A Knight of the Seven Kingdoms nun die letzte Episode, die er zu Game of Thrones beigetragen hat. Ein gelungener Ausklang für diesen Autor, der an über 10 Episoden beteiligt war. Obwohl dialoglastig, betreibt die hier besprochene Folge gezielte und geschliffene Charakterzeichnung – insbesondere in Bezug auf die Serienheldin Daenerys Targaryen (Emilia Clarke), die ihrem Namen alle Ehre erweisen könnte…

Im Verlaufe von Game of Thrones war es allzu leicht, Daenerys‘ Geschichte als »empowerment«-Story zu lesen. An der Oberfläche erzählt die Serie von einer Frau, die von ihrem Bruder missbraucht wurde und in ihrer Kultur als wertlos galt, kaum da ihr Mann gestorben war – die jedoch das Unmögliche erreichte, indem sie Drachen wiederbelebte und einen Kontinent eroberte. […] Auf der Zielgeraden allerdings deutet Daenerys‘ Verhalten nun darauf hin, dass die Serie noch eine anspruchsvollere – und interessantere – Entwicklung für sie bereithalten könnte.

Alyssa Rosenberg (Washington Post) · zum ganzen Review (Englisch)

Fazit zu A Knight of the Seven Kingdoms

Die einzelnen Szenen warten mit stark gesetzten Pointen (»The things we do for love«) und überraschenden Wendungen auf, wie der titelgebende Ritterschlag. Erwähnenswert ist auch »Jenny’s Song«, den der Knappe Podrick Payn (yeeeah, Podrick is back!) in einer angetrunkenen Runde singt – ebenfalls am Kamin. (In dieser Folge wird viel am Kamin gesessen.) Die erste Zeile dieses Lieds erschien in dem Buch Ein Sturm der Schwerter. Das ist der dritte Band der Fantasy-Saga Das Lied von Eis und Feuer aus George R. R. Martins Feder. Die restlichen Zeilen des Songs haben die GoT-Autoren geschrieben, während GoT-Komponist Ramin Djawadi die Musik dazu zauberte. Eine weitere Version des Songs trägt den Titel Jenny of Oldstones und ist im Abspann der Episode zu hören – zum Besten gegeben von der Band Florence and the Machine.

Die Episode A Knight of the Seven Kingdoms mag bei manchen Zuschauer*innen die Geduld überstrapaziert haben. Doch etwaige Kritik ist Jammern auf hohem Niveau – und am Ende sind wir alle froh, wenn Game of Thrones einfach einen soliden Job darin macht, eine fantastische Serie würdig abzuschließen. Drücken wir die Daumen, dass die letzten Folgen keine solche Katastrophe werden, wie die allererste Episode beinahe geworden wäre!

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