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Bird Box | Kritik: Horrorthriller mit starkem Konzept, mäßig umgesetzt

Zuletzt aktualisiert am 9. März 2019 um 12:11

Bird Box – Schließe deine Augen ist ein Horror-Thriller, der am 21. Dezember 2018 auf Netflix erschien und binnen kürzester Zeit zu einer der erfolgreichsten Original-Produktionen des Streaming-Dienstes avancierte. In den ersten 7 Tagen soll der Film, nach Netflix-Angaben, über 45 Millionen mal abgespielt worden sein. Es handelt sich um eine Adaption des gleichnamigen Debütromans von Josh Malerman aus dem Jahr 2014. Regie führte Susanne Bier (In einer besseren Welt, Der Nachtmanager), die Hauptrolle übernahm Sandra Bullock (Gravity) und mit dabei sind unter anderem noch Trevante Rhodes, Sarah Paulson und John Malkovich.

Score vom Bleiben
Poster zum Film »Bird Box«
Poster zum Film Bird Box

Blind in die Apokalypse

Malorie (Sandra Bullock) geht zu ihren Kindern in die Hocke. In dem abgelegenen Haus, das ihnen bis dato als Versteck diente, erklärt sie dem Jungen und dem Mädchen den Plan: »Wir werden eine Reise unternehmen, die sehr beschwerlich wird.« Über den reißenden Fluss soll es zu einem sicheren Ort gehen. Was die Welt, 5 Jahre zuvor, dermaßen gefährlich gemacht hat, erfahren wir in einer Rückblende: Irgendetwas verbreitet sich rasend schnell über den Globus. Wenn man es anschaut, treibt es die Betrachter*innen in den Selbstmord. Sofort bricht Chaos aus. Fortan erzählt Bird Box in zwei Zeit-Ebenen vom Überleben in einer (post-)apokalyptischen Welt.

Lesetipp: Bei der Idee des Films kam mir ein alter ZEIT-Artikel in Erinnerungen, über Tiere, die von Neuroparasiten in den Selbstmord getrieben werden.

Horror-Szenarien, die sich um Sinnliches drehen, treffen derzeit einen Nerv. Dass Bird Box so häufig mit A Quiet Place (2018) verglichen wird, verwundert kaum. In dem überraschend erfolgreichen Genre-Hit von John Krasinski geht es darum, dass man kein Geräusch machen darf, weil sonst die Monster kommen. Hier darf man nun nicht hinsehen, wenn die Monster in der Nähe sind. Da sich die Produktionsabläufe der beiden Werke überschnitten haben, kann mag beruhigen: Niemand hat »abgeguckt«. Und doch muss sich Bird Box dem Vergleich stellen. Dabei zieht der Film von Susanne Bier leider den Kürzeren. Dass liegt aber eher an der herausragenden Qualität von A Quiet Place, als daran, dass Bird Box – Schließe deine Augen ein allzu schlechter Film wäre.

Make the end of the world great again! – John Malkovich als griesgrämiger, mutmaßlich homophober Trinker, in: Bird Box

Namenloser Nachwuchs

Vieles macht der Horror-Thriller richtig. Die Prämisse ist spannend und der Auftakt des Films hat es in sich: Wenn in Bird Box die Apokalypse losbricht, überkommt Genre-Liebhaber*innen ein wohliger Schauer. Hier wird die global grassierende Panik besser verpackt, als es einst World War Z (2013) versucht hat. Durch die frühe Etablierung zweier Erzähl-Ebenen kommt auch keine große Langeweile auf – vielmehr wird das Überleben unmittelbar während und lange nach der Katastrophe geschildert. Ein gutes Konzept, das mit vielen wirklich spannenden Einzelszenen aufgeht: Sei es »der Selbsttest«, ob man die Monster durch Kameras betrachten kann, oder »die Entscheidung« auf dem Fluss, man fiebert mit.

Der Cast glänzt durch überzeugende Leistungen, allen voran Sandra Bullock als Mutter, die sich nicht so recht für die Kinder zu erwärmen vermag. In die kaputte Welt hineingeboren, werden sie einfach nur »Junge« und »Mädchen« genannt, um im Notfall keine lebensgefährlich starke, emotionale Bindung zu haben – auch diese Figurendynamik ist ein interessanter Ansatz. Dass Bird Box dann doch einen eher faden Nachgeschmack hinterlässt, liegt an so einigen haarsträubenden Unwahrscheinlichkeiten im Laufe der Handlung und daran, was wir bis zum umstrittenen Ende von den Monster zu sehen bekommen – oder eben nicht. An dem Finale scheiden sich die Gemüter. Ivy Haase (NEON) findet es gut (aber den Film »eher so meh«), Sonja Hartl (Kino-Zeit) findet es enttäuschend-simpel (und den Film mittelmäßig). Dass die Schwachstellen des Films ausgerechnet dramaturgisch bedingt sind, verwundert angesichts des namhaften Drehbuchautors: Eric Heisserer wurde für sein Drehbuch zu Arrival (2016) noch für einen Oscar nominiert.

Hier gibt’s ein paar Filme von Susanne Bier als Blu-ray oder DVD (Affiliate-Links, erfahre mehr dazu):

Fazit zu Bird Box

Ja, eingefleischte Genre-Fans wird insbesondere das Ende enttäuschen. Der Horror-Thriller hat ein tolles Konzept, das zu wenig genutzt wird. Da bringt es auch nichts, wenn einzelne Gewerke gute Arbeit leisten (Schauspiel, Score, eine Kamera, die viel mit hektischen Subjektiven arbeitet – alles passend), das Gesamtbild hängt schief. Trotzdem wird man über satte zwei Stunden solide unterhalten und kann danach mitreden, in einem Diskurs mit Millionen von Meinungen.

Booom! Mit diesem Tweet verkündete Netflix die Zahl, die umgehend ein heftiges Echo im Netz fand: 45 Millionen Zuschauer*innen! Die Angabe wurde natürlich prompt kritisch hinterfragt.

Soundtrack zum Film:

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