Cinemathek

Rio Bravo · Western mit Angie Dickinson | Film 1959 | Kritik

Zuletzt aktualisiert am 18. April 2019 um 10:46

Gerücht aufgeschnappt: »Wenn Quentin Tarantino ein Date ausführt, zeigt er dabei gerne seinen Lieblingsfilm Rio Bravo – und wenn das Date den nicht gut findet, hat es sich eh erledigt.« (Hier nachzulesen.) Wahrheit oder Bullshit, hat mich diese Info doch neugierig genug gemacht. Siehe da: Rio Bravo ist ein durchaus schöner Film. Wenn Quentin mich mal ausführt, soll’s daran also nicht scheitern. 😊

Beitragsbild zu »Rio Bravo«

Inszeniert wurde Rio Bravo von Howard Hawks – einem der wichtigsten Regisseure seiner Generation. Er lebte von 1896 bis 1977 und prägte mit Dutzenden Filmen die »klassische Ära Hollywoods«. Zu seinen bekanntesten Werken gehören etwa der Gangsterfilm Scarface (1932), die Komödie Leoparden küßt man nicht (1938) oder der Science-Fiction-Film Das Ding aus einer anderen Welt (1951). Nun, welche Geschichte hat dieser Genre-übergreifende Filmemacher in seinem Western Rio Bravo erzählt?

Ein Sheriff in der Enge

Zum Inhalt: Ein Sheriff (John Wayne) sperrt einen Mörder weg und gerät dadurch in Bredouille – denn der Bruder des Täters will das Gefängnis stürmen. Unterstützung erhält der Sheriff von einem Trunkenbold und einem Revolverhelden. Dann begegnet er noch einer mysteriösen Kartenspielerin namens Feathers (Angie Dickinson).

Eine Sichtung des Films Rio Bravo erfordert den besten Teil eines Nachmittags oder Abends und eine bestimmte Stimmung. Es ist ein zweieinhalbstündiger Western, in dem der Steppenläufer gemächlich über die Hauptstraße von einem Charakter zum anderen rollt. Natürlich gibt es Schießereien, aber es ist auch Zeit da für ein schmachtendes Duett von zwei Prominenten der späten 50er Jahre – dem Showbiz-Schnulzensänger Dean Martin und dem Pop-Idol Ricky Nelson. Und, wie bei allen Filmen von Hawks, gibt es jede Menge Gerede.

Tony Paley (The Guardian) über seinen Lieblingsfilm Rio Bravo

Rio Bravo und der Ruhm

Womöglich war ich nicht in der perfekten Stimmung für dieses viel gepriesene Meisterwerk. Der Film Rio Bravo erzählt eine etwas vor sich hinplätschernde, ein bisschen spannende, unter’m Strich nette Geschichte in gelungenen, aber recht statischen Bildern. Hat für mich mehr Theater- als Filmcharakter. Sehr charmante Schauspieler*innen lenken von einer (aus heutiger Sicht) sehr konventionellen Inszenierung ab. Einfach ein schöner Fernsehfilm. Kabel 1 am Nachmittag, wenn man sonst nix zu tun hat. Aber als ich las, dass das Ding von der Cahiers du cinéma auf Platz 12 der besten Filme aller Zeiten gewählt wurde, dachte ich: what!? Wann wurde diese Liste zuletzt aktualisiert? [Ich habe die Top 50 dieser Liste mal grob überflogen und – wenn ich das richtig sehe – kann man sie getrost als »die besten 50 Filme bis 1990« bezeichnen. Was ist mit den letzten 25 Jahren? Ist denn seit meiner Geburt nichts Besseres mehr gedreht worden?]

Der Trailer zu Rio Bravo:

Wenn Tarantino den Film Rio Bravo anhimmelt, nun gut, ich sage mir: Dieser Mann ist mit solchen Werken aufgewachsen. Ich stelle mir vor, wie der kleine Quentin in der sturmfreien Bude rumhängt und den lieben langen Tag vor der Mattscheibe klebt, die einen 50er-Jahre-Western nach dem anderen zeigt. Da fängt man an, sie zu lieben. So wie ich ein ewiges Faible für die Mumins haben werde, und Jurassic Park, Titanic, The Beach… Tom Hanks ist für mich vermutlich das, was John Wayne für Tarantino ist – aber was weiß ich. Jetzt muss ich mir einreden, dass die Cahiers-du-cinéma-Liste auch von Damen und Herren erstellt wurde, die sich nicht von ihren alten Lieblingen lösen und auf Neues einlassen können. Womöglich sollte ich mir jedoch all jene Filme erst einmal ansehen, die ich hier quasi in einem Wasch abwerte.

Nachdem mein Projekt »Die Filmografie von DiCaprio aufarbeiten« also an The Foot Shooting Party scheiterte (wo zur Hölle findet man diesen Film!?), heißt das neue Ziel: Die Top 100 der Cahiers du cinéma genauer unter die Lupe nehmen…

Kurz: 7/10 Punkte gebe ich derweil dem Film Rio Bravo, wofür mich Tarantino vermutlich eher doch vor die Tür setzen würde.

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