Cinemathek

MORDANKLAGE GEGEN EINEN STUDENTEN | Film 1972 | Kritik

Zuletzt aktualisiert am 13. Januar 2019 um 5:11

Das italienische Filmdrama Mordanklage gegen einen Studenten (1972) stammt von einem Mann, der in jungen Jahren Architektur studierte und sich in späten Jahren der Oper zuwandte. Dazwischen drehte Mauro Bolognini zahlreiche Filme. Meist behandelt er darin historische oder literarische Stoffe. Chronicle of a Homicide (so der englische Titel) stellt mit seinem Fokus auf soziale Themen eine Ausnahme dar.

Schauspieler Massimo Ranieri in dem Film »Mordanklage gegen einen Studenten«

Ein Vater im Zwiespalt

Zum Inhalt von Mordanklage gegen einen Studenten: Italien in wilden Siebzigern. Studierende demonstrieren, die Staatsgewalt greift ein. Bei den Krawallen kommt es zu Toten. Ein Student und ein Polizist lassen ihr Leben. Die Untersuchung der Geschehnisse soll Richter Aldo Sola (Martin Balsam) übernehmen. Was den getöteten Polizisten angeht, scheint die Sachlage klar zu sein – einen Hauptverdächtigen gibt es bereits. Doch dann erfährt der Richter, dass sein Sohn Fabio (Massimo Ranieri) in den Fall verwickelt zu sein scheint… es kommt zum Gewissenskonflikt.

Der Regisseur Mauro Bolognini hat mit Schauspielgrößen wie Jean-Paul Belmondo (Das Haus in der Via Roma) und Marcello Mastroianni (Bel Antonio) gearbeitet – Letzterer zählt spätestens seit seiner Rolle als Federico Fellinis Alter Ego in Achteinhalb quasi zum italienischen Kulturerbe geworden. Gegen so viel Glanz führt ein kleiner Film wie Mordanklage gegen einen Studenten nur ein Nischen-Dasein. Selbst in Bologninis eigener Filmografie mit seinen über zwei Dutzend Werken sticht dieser Streifen nicht sonderlich hervor.

Musik von Morricone

Gestoßen bin ich auf Mordanklage gegen einen Studenten eher zufällig – irgendwo im Internet und just in der richtigen Stimmung, den Film einfach mal anzuschauen. Ohne jegliches Vorwissen, völlig unvoreingenommen. Horchte lediglich kurz auf, als Ennio Morricone im Vorspann genannt wurde. Der Soundtrack trug dann tatsächlich auch ganz dessen Handschrift. Bolognini und Morricone haben im Laufe ihrer beider Karrieren wohlgemerkt an zahlreichen Produktionen zusammen gearbeitet. Und auch mit Massimo Ranieri – dem Darsteller des Sohns – setzte Bolognini schon vor Mordanklage gegen einen Studenten zwei weitere Filme um, Metello (1970) und Bubù (1971).

In Mordanklage gegen einen Studenten geht also um politische Unruhen in Italien und einen befangenen Richter. Die Rollen in diesem Drama sind durch die Bank weg mit markanten Gesichtern besetzt. Die Geschichte bleibt stets nah an der Hauptfigur, stark gespielt von Martin Balsam als Vater im Zwiespalt.

[Die Handlung von Mordanklage gegen einen Studenten dreht sich] um eine hochpolitische Angelegenheit, die aus einer Zeit stammt, als kommunistisch gesinnte Studenten und Terroristen der Roten Brigaden den braven Bürgern der Republicca Italiana auf den Sack gingen. Das wird soweit auch super eingefangen und der Zwist zwischen Vater (Staat) und Sohn (Widerstand) ist wendungsreich und spannend. Der Film erinnert sehr an die Werke von Damiano Damiani, nur halt ohne Mafia und Franco Nero.Thorwalez auf moviepilot

Fazit zu Mordanklage gegen einen Studenten

Kurz: 7/10 Punkte für einen interessanten Film für all jene, die ins politische Italien der frühen 70er Jahre eintauchen möchten. Ansonsten ist Mordanklage gegen einen Studenten jedoch gewiss kein Muss und technisch auch kein Hochgenuss. Schlichtweg gutes Handwerk von allen Beteiligten – mit ein paar guten Twists.

Hier der Trailer zum Film Mordanklage gegen einen Studenten, im italienischen Original mit englischem Untertitel:

Autor

David Johann Lensing (*1989) arbeitet als freier Autor, Filmemacher und Fotograf in NRW.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.