Philosophie vom Bleiben

Philosophie für Anfänger*innen · kleiner Einstieg ins große Ganze

Zuletzt aktualisiert am 1. August 2019 um 8:11

Hi! Hier geht’s um Philosophie. Nachdem ich zuletzt das Buch Wer bin ich und wenn ja, wie viele? vorgestellt hab, das im Jahr 2007 viele Leseratten auf eine philosophische Reise einlud, machen wir jetzt einen philosophischen Wochenend-Ausflug. Auf dem Plan steht ein kleiner Einstieg ins große Ganze. Precht hat ja recht begeistert geschrieben, das Schöne am Fach Philosophie sei, dass du es nie zu Ende studierst. Das kann auch entmutigend klingen, denn wo kein Ende in Sicht, da willst du gar nicht erst loslatschen. Ist okay, bleib sitzen, lehn dich zurück – wir klären erstmal eine allgemeine Frage: Was ist Philosophie überhaupt? Willkommen bei Philosophie für Anfänger*innen!

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Beitragsbild zum Thema: Philosophie für Anfänger*innen

Aller Anfang ist Whoa!

Am Anfang aller Philosophie steht das Staunen. Das wussten schon Platon und Aristoteles. Staunen oder Wundern, das überlassen wir gerne den Kindern. Erwachsene sind nicht mehr leicht zu beeindrucken (außer vielleicht mit blauen Autos). Philosophie jedenfalls lebt davon, dass du dir das innere Kind bewahrst, vermeintliche Wahrheiten hinterfragst und noch Staunen kannst. Dazu müssen wir uns gar nicht in die Grundschule zurückversetzen – sondern am besten in eine Zeit, in dem der Mensch gerade der Kindheit entwächst und checkt, dass die Erwachsenen jetzt vielleicht auch nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen haben. Die erste Lektion in Philosophie für Anfänger*innen lautet: Jung bleiben!

Hier gibt’s diese Einführung auch in Bild und Ton:

14 Jahre ist prima. Das Alter, in dem die Heldin in Sofies Welt die Philosophie entdeckt. Das Alter, das Tilo Jung zum Auftakt von Jung & Naiv seinem naiv nachfragenden Alter Ego gibt. Und nicht zuletzt das Alter, in dem Hannah Arendt schon Immanuel Kant gelesen hat! Was hast du mit 14 Jahren so getan? Welche Themen haben dich in dem Alter beschäftigt? Welche Bücher hast du gelesen? Beamen wir uns mal zurück in den frischen, unbefangenen und mega ausgeglichenen Geisteszustand der Jugend und startet voller Elan ins Fach Philosophy 101.

Ab sofort gilt, wenn hier Begriffe verwendet werden, die du nicht kennst, hat diese Philosophie für Anfänger*innen ihr Vorhaben der allgemeinen Verständlichkeit verfehlt. Deshalb bitte gerne via Kommentar drauf hinweisen, dann reiche ich eine Begriffserklärung nach.

Buch-Empfehlungen zum Einstieg + PDF

Ziel von Philosophie für Anfänger*innen

Das Ziel von Philosophie für Anfänger*innen ist das Schärfen von soft skills, oder frei nach Hannah Arendt eben: eine Übung im philosophischen Denken. Es folgt ein Querschnitt philosophischer Themen auf Einstiegsniveau zur Orientierung. Mag sein, dass du dich danach eher dümmer als klüger fühlst, so ging’s mir jedenfalls. Warum diese Erfahrung aber durchaus nützlich sein kann und was die Beschäftigung mit Philosophie fürs alltägliche Leben bringt, darum geht’s im Beitrag über Sinn und Zweck der Philosophie – hier widmen wir uns, wie gesagt, der Frage:

Was ist Philosophie?

Vorweg noch: Anspruch auf allgemeine Gültigkeit gibt’s nicht. Jede Generation, jedes Individuum und jeder Lebensabschnitt bringen neue Gedanken mit sich. Du wirst immer Menschen finden, die die Dinge anders sehen – das ist gut so. Sogar über Grundlegendes wie die Einteilung der Philosophie oder was sie ist, gibt’s Beef. Drum gilt für alle Beiträge hier: Das ist nur eine – meine – persönliche Sichtweise, die manchmal nicht alles im Blick hat. Korrigiere mich, wenn du mich bei ganz großem Unfug erwischst! Also los!

Der Begriff »Philosophie« kommt aus dem Altgriechischen und lässt sich zerlegen in »philo« (φι·λο), Liebe, und »sophia« (σο·φί·α), Weisheit. Die Liebe zur Weisheit. Gemeint ist ein tieferes Verständnis von Zusammenhängen aller Art. Manche praktizieren diese Liebe als Hobby, andere als Wissenschaft. Auch wenn ihr Status als Wissenschaft oft angezweifelt wird, ist die Philosophie ein etabliertes Fach an Universitäten weltweit. Sie war auch schon am Start, als sich im Lauf der Geschichte überhaupt erstmals Wissenschaften entwickelten, insofern: Die Philosophie sitzt fest im Sattel. Das hängt auch mit den Themen der Philosophie zusammen. Es macht Sinn, eine Philosophie für Anfänger*innen erstmal mit einer kleinen Einteilung des Fachs zu starten.

Einteilung und Themen der Philosophie

Die Philosophie beschäftigt sich mit allem. Von der Metaphysik als »Erste Philosophie« über große Einzeldisziplinen, bis hin zu Zweigen wie der Philosophie des Geldes, des Glücks, des Gärtnerns gibt es nichts, was vor der Philosophie sicher wäre. Darum ist sie auch schwieriger kleinzukriegen, als etwa die Astrologie, die wir aus dem Reich der Wissenschaft in die Rubrik Horoskope verbannt haben. Die Disziplinen der Philosophie unterteilen sich in zwei Bereiche.

Theoretische & praktische Philosophie

Die theoretische Philosophie befasst sich damit, was ist. Es geht darum, wie die Dinge sind, in Wirklichkeit, in der Wahrnehmung oder jenseits davon – und was wir überhaupt in Erfahrung bringen können. Eine zentrale Frage lautet: Was kann ich wissen? Ihre Disziplinen sind etwa die Metaphysik, die das Sein untersucht; die Erkenntnistheorie, die das Zustandebringen von Wissen ergründet; die philosophische Anthropologie, die Logik, die Sprachphilosophie, die Philosophie des Geistes – um nur einige zu nennen.

Die praktische Philosophie befasst sich damit, was sein soll. Hier geht’s um normative Vorhaben, also das Grübeln über Richtlinien fürs Leben – und wie wir es als Individuen und Gesellschaft meistern können. Zentrale Frage: Was soll ich tun? Die bekannteste Disziplin ist die Ethik als Wissenschaft der Moral; dann gibt’s die Rechtsphilosophie, in der die Ethik zur Anwendung kommt; oder die politische Philosophie, die Staatstheorien hervorbringt. Wie du merkst, wird die praktische Philosophie auch theoretisch betrieben. Und doch ist sie klar auf die Praxis, also aufs Handeln ausgerichtet. Du wirst bei den Einzelthemen dieser Reihe entsprechende Hinweise zur jeweiligen Disziplin finden – und in welcher Epoche wir sind. Über die Epochen an sich geht’s im nächsten Beitrag, zur Geschichte der Philosophie.

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Autor

David Johann Lensing (*1989) arbeitet als freier Autor, Filmemacher und Fotograf in NRW.

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