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Love Death & Robots | Anthologie-Serie 2019 | Erklärung, Kritik

Zuletzt aktualisiert am 6. Juli 2019 um 9:15

Die Anthologie-Serie Love, Death & Robots umfasst 18 Kurzfilme rund um die titelgebenden Themen – wobei Boobs, Blood & Beasts treffender gewesen wäre. Am 15. März 2019 auf Netflix veröffentlicht, haben alle Episoden dieser Serie einen futuristischen Anstrich, weshalb Vergleiche mit Black Mirror nahe liegen. Doch im Gegensatz zur BBC-Serie von Annabel Jones und Charlie Brooker, verfällt Love, Death & Robots oft der Formel »Style over Substance« und geht auch nie wirklich in die Tiefe intonierter Ideen. Im Wesentlichen handelt es sich um ein imposantes Showreel von State-of-the-Arts-Animationen unserer Zeit – und, obwohl gar nicht interaktiv, von einem Sexismus, wie man ihn sonst eher in Videospielen sieht (Stichwort Gamergate).

Score vom Bleiben
Beitragsbild zu »Love, Death & Robots«

Not Safe For Mainstream (NSFM)

[Love, Death & Robots ist] Black Mirror für Video-Gamer*innen mit ADS.Nick Schager (The Daily Beast) · zum Review

Liebe im Sinne einer Beziehung, Tod im Sinne eines Lebens, das dem Ende zugeht – darum geht’s in Love, Death & Robots nicht so wirklich. Und Roboter, das kann hier wirklich alles sein, von Cyborgs und Schrottmonstern bis hin zu Werwölfen. Der Begriff ist weit gefasst. Über allem steht der Schauwert. Nun sollte man einer Serie, deren Episoden oft 6 bis 10 Minuten dauern, nicht mangelnden Tiefgang vorwerfen. In kurzer Zeit geht es darum, schnell zur Sache zu kommen und temporeich abzuliefern. Mission erfüllt.

Beliebte Anthologie-Serien, die von Staffel zu Staffel ein neues »Kapitel« aufmachen, sind als Blu-ray oder DVD hier erhältlich:

Trailer zu Love Death & Robots

Zur Einstimmung, hier mal der abgefahrene Trailer zu Love, Death & Robots – keine Bange, diese rasante Minute verrät nicht zu viel. Es handelt sich um einen einzigen Bilderrausch zum erbarmungslosen Wummern von Industrial Hardcore (der Track heißt We are legion und stammt von Ambassador21, hier als Matt Green Remix zu hören – mehr davon). Die Collage aus Cyborgs, Gore, Steampunk, Sex und Schusswechseln (uvm.) ist für »messed up audiences only«, stellt Netflix gleich im ersten Frame klar. Damit werden alle Einwände etwaiger Medien-Moralaposteln prompt ausgehebelt: Ihr seid einfach nicht kaputt genug für diese Zielgruppe.

Der Trailer zu Love, Death & Robots

Nun nehmen wir uns die Episoden im Einzelnen vor. Eigentlich sind die 18 Folgen – wie es bei einer Anthologie üblich ist – absolut eigenständig funktionierende Kurzfilme. Dabei handelt es sich um eine Filmgattung, die außerhalb von entsprechenden Festivals vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit bekommt. Insofern ist es schön zu sehen, wenn Kurzfilme in einer Anthologie-Serie ein »Zuhause« finden und einem größeren Publikum bekannt werden.

Doch man soll den Tag nicht vor dem Abend loben: Lohnen sich die Kurzfilme denn? Sind sie es wert, ein breites Publikum zu finden? Im Folgenden widmen wir uns jedem Kapitel aus Love, Death & Robots der offiziellen Reihenfolge nach.

Episodenguide zu Love Death & Robots

Folge 1 · Sonnies Vorteil

Basierend auf einer Geschichte von Peter F. Hamilton. Originaltitel: Sonnie’s Edge. Dauer: 17 Minuten. Regie: Dave Wilson. Drehbuch: Philip Gelatt. Animation: Blur Studio. Stimmen: Helen Sadler, Hayley McLaughlin, Time Winters, Omid Abtahi, Christine Adams, Hakeem Kae-Kazim, Braden Lynch.

Zum Inhalt: Sonnie ist eine »Biest-Kämpferin«. Die vernarbte Frau mit dunkler Vergangenheit nimmt an Untergrund-Kämpfen teil, bei denen sie nicht selbst in den Ring steigt – sondern ihr Bewusstsein in den Körper eines genmanipulierten Biests transferiert. Dieses Biest erinnert in seiner hybriden Gestalt – halb Schlange, halb Robo-Raubkatze – an Kreaturen aus dem Alien-Franchise (dessen dritten Teil David Fincher inszenierte, der bei Love, Death & Robots als Produzent fungiert).

Hier ein (wirklich kleiner) Blick hinter die Kulissen: ein paar der Previsualisierungen und Animationsschritte, die zum Kurzfilm Sonnies Vorteil geführt haben.

Vor dem Kampf, um den es in diesem Film geht, machen Sonnie und ihre Crew Bekanntschaft mit dem Veranstalter des Abends. Ein wohlhabender Herr, der einen neugierigen Blick auf das Biest werfen will. In einem gewaltigen, gläsernen Tank wird es vom Lastwagen geladen, rot beleuchtet, wie es sich für furchteinflössende Monster gehört. »Er ist großartig!«, staunt der Veranstalter. »Ja. Ist sie«, antwortet Sonnie – und setzt damit den Ton dieses Kurzfilms. Zumindest auf Dialog-Ebene wird viel von weiblicher Rache an männlichen Gewalttätern geredet. Ein Thema, das man beim Look dieser stylischen High-End-Animation glatt vergessen könnte. Dazu, gut beobachtet:

Man soll beeindruckt davon sein, wie edgy das Konzept und wie krass der Gore-Faktor ist, ohne darüber nachzudenken, […] wie die aus dem Nichts kommende Erotikszene zweier Frauen (die garantiert nicht für queere Repräsentation hier ist) im Kontext herüberkommt. Eine Menge male gaze für eine Geschichte, die angeblich vom empowerment einer Frau handeln soll.

Mario Giglio (Serienjunkies) · hier geht’s zum ganzen Review

Bei Biest-Kämpfen im Underground soll Sonnie gegen Geld eine Niederlage einstecken – doch der Veranstalter hat die Rechnung ohne die Leid-erprobte Heldin gemacht. | 4 von 5 Sterne (Score vom Bleiben)

Folge 2 · Drei Roboter

Sightseeing in einer postapokalyptischen Welt. Drei Roboter lernen auf die haarige Tour, wer die Apokalypse überlebt hat. | 11 Min. | 5 von 5 Sterne

Folge 3 · Die Augenzeugin

Eine Frau wird Zeugin eines blutigen Mordes. Sie ergreift die Flucht vor dem Mörder durch eine surreale Geisterstadt. | 12 Min. | 3 von 5 Sterne

Folge 4 · Schutzanzüge

Eine Gemeinschaft von Farmern muss sich gegen eine Alien-Invasion verteidigen. Dazu sind sie mit riesigen Robotern ausgestattet. | 17 Min. | 3 von 5 Sterne

Folge 5 · Seelenfänger

Archäologie hat es in sich – wenn man bei Ausgrabungen plötzlich einen blutrünstigen Dämon weckt. Flucht und Überleben sind, mal wieder, eine haarige Angelegenheit. | 13 Min. | 2 von 5 Sterne

Folge 6 · Als der Joghurt die Kontrolle übernahm

Im Labor gezüchtet und zur Weltherrschaft berufen, löst ein Joghurt die Menschheit ab. Wurde auch höchste Zeit. | 6 Min. | 5 von 5 Sterne

In der kürzesten und besten dieser Folgen übernimmt der erwähnte Joghurtbecher die Weltherrschaft – was völlig logisch erscheint, weil alle anderen Menschen, Maschinen, Aliens und Ungeheuer, die das Netflix-Projekt bevölkern, viel zu sehr mit schlechtem Sex, holzhämmernder Zeitdiagnostik und albernen Taffer-Typ-Sprüchen beschäftigt sind.

Zeit Online rät von Love, Death & Robots als Gesamtwerk eher ab

Folge 7 · Jenseits des Aquila-Rifts

Vom Kurs abgekommen, dockt ein Raumschiff an einer rätselhaften Station an. Der Kommandant freut sich über ein bekanntes Gesicht, bis er hinter die Fassade blickt. | 16 Min. | Die Animationen in dieser Episode sind wirklich gruselig fotorealistisch – sodass ich persönlich zuweilen nicht mit Sicherheit zu sagen vermochte… sind das nun echte Schauspieler*innen… oder nicht? Dennoch, so richtig gepackt hat mich die Geschichte nicht. 3 von 5 Sterne

Unter dem Titel Beyond the Aquila Rift ist bereits 2016 eine Sammlung von Sci-Fi-Kurzgeschichten und Novellen des britischen Autors Alastair Reynolds erschienen (hier als Taschenbuch erhältlich, auf Englisch). Der Kurzfilm Jenseits des Aquila Rifts ist – ebenso wie Zima Blue übrigens – eine Verfilmung einer dieser Kurzgeschichten. Das Ende der abenteuerlichen Story von Jenseits des Aquila-Rifts wirft einige Fragen auf – daher kann man es sich ruhig mal von den Profis bei ScreenRant erklären lassen (Spoilers ahead!)

Aquila-Rift, Erklärung des Endes

Es stellt sich heraus, dass sie [die Besetzung des Raumschiffs] sich nirgendwo in der Nähe der menschlichen Zivilisation befinden, sondern in einer biomechanischen, insektenartigen Höllenlandschaft feststecken, in der ein Spinnentier mit telepathischen Kräften eine tröstende Realität schafft, in der die sterben Menschen existieren können – vermutlich bis zu ihrem Tod. Mehrere andere Schiffe sind in dem weitläufigen Nest zu sehen, einem buchstäblichen Bienenstock, der Nachzügler aufnimmt, während er sich langsam in seiner eigenen trostlosen Ecke des Weltraums ausdehnt.

Anthony McGlynn (ScreenRant) · aus de Englischen übersetzt

Lesetipp: Anthony McGlynn liefert auch Erklärungen für allen weiteren Episoden-Enden zu Love, Death & Robots – in seinem Artikel: All 18 Endings Explained (Englisch)

Folge 8 · Gute Jagdgründe

Eine Hulijing kann ihre Gestalt wandeln, doch das schützt sie nicht vor dem Geisterjäger. Dessen Sohn jedoch entschließt sich, mit einer Gestaltwandlerin gemeinsame Sache zu machen. | 17 Min. | 3 von 5 Sterne

Folge 9 · Die Müllhalde

Ein alter Mann soll von seiner Müllhalde vertrieben werden – obwohl er sich dort sauwohl fühlt. Zum Glück hat er überraschende Unterstützung. | 10 Min. | 2 von 5 Sterne

Folge 10 · Gestaltwandler

Im Afghanistan-Krieg setzen die Amerikaner jetzt Soldaten mit übermenschlichen Kräften ein. Von ihren Kameraden werden sie gemieden und selbst von ihresgleichen ziemlich grob behandelt. | 16 Min. | 1 von 5 Sterne

Folge 11 · Helfende Hand

Eine Astronautin bekommt Probleme im Weltall. Ganz auf sich allein gestellt, sieht sie dem drohenden Tod ins Auge – und widersetzt sich. | 10 Min. | 4 von 5 Sterne

Folge 12 · Nacht der Fische

Eine Autopanne im Nirgendwo. Zwei Vertreter warten im Wüstental auf Hilfe und sinnieren über das Nachleben der Seelen. Als es Nacht wird, erleben sie Unglaubliches. | 10 Min. | Vom Look her erinnert dieser Kurzfilm ein wenig an A Scanner Darkly (2006) | 4 von 5 Sterne

Folge 13 · Raumschiff Nr. 13

Eine Pilotin übernimmt ein Raumschiff, in dem bereits zwei Besatzungen draufgegangen sind. Bringt die Nummer etwa Unglück? Oder braucht es nur das rechte Geschick? | 14 Min. | Gravity meets 127 Hours | 4 von 5 Sterne

Folge 14 · Zima Blue

Ein Künstler mit einer Version will zum ersten Mal seit langer Zeit mit der Presse sprechen. Die Reporterin begibt sich in heller Aufregung zu ihrem Treffen. Es geht um die Enthüllung seines letzten Werks. | 10 Min. | 5 von 5 Sterne

Folge 15 · Blindspot

Eine wilde Cyborg-Gang begibt sich auf Raubzug. Ihr Ziel ist ein Konvoi, der Coup muss bei voller Fahrt gelingen. Doch die Verteidigung des Konvois ist stärker als erwartet. | 8 Min. | 2 von 5 Sterne

Folge 16 · Eiszeit

Ein Paar bezieht eine Wohnung, in der ein uralter Kühlschrank steht. Als sie das Eisfach öffnen, staunen sie nicht schlecht – da drin ist richtig was los. | 10 Min. | So erfrischend, nach so vielen animierten Abenteuern wieder echte Menschen in echter Kulisse zu erleben. Topher Grace (Die wilden Siebziger) und Mary Elizabeth Winstead liefern hier eine heitere kleine Performance ab. | 4 von 5 Sterne

Folge 17 · Alternative Zeitachsen

Was wäre wenn… Hitler früher zu Tode gekommen wäre? Das spielt dieser Kurzfilm in sechs irren Varianten durch. | 7 Min. | Tolle Idee, gelungener Auftakt, dann leider viel verschenktes Potential. | 3 von 5 Sterne

Folge 18 · Geheimkrieg

Im frostigen Hinterlands Sibirien kämpft eine Einheit der Roten Armee gegen monströse Gegner. Was mit kleinen Vorstößen beginnt, endet in einer gewaltigen Schlacht. | 16 Min. | 3 von 5 Sterne

15 Jahre seit Animatrix

Die Animationen reichen von klassischem Zeichentrick bis hin zu fotorealistischen CGI und sind durch die Bank ziemlich grandios – wobei wirklich kaum ein Kurzfilm dem anderen gleicht. Die Hochwertigkeit des Looks wird Fans der ebenfalls animierten Anthologie-Serie Animatrix (2003) sicher begeistern: Wie weit es die Animationskunst in den vergangenen rund 15 Jahren doch gebracht hat!

Love, Death & Robots ist mein Traumprojekt. Es verbindet meine Liebe zur Animation mit atemberaubenden Geschichten. Mitternachtsfilme, Comics, Bücher und Zeitschriften mit fantastischer Fiktion inspirieren mich seit Jahrzehnten, aber sie wurden in die Randkultur der Geeks und Nerds verbannt, zu denen ich gehörte. Ich bin so verdammt aufgeregt, dass sich die kreative Landschaft endlich so verändert hat, dass die Animation mit Erwachsenen-Motiven Teil eines größeren kulturellen Gesprächs wird.

Tim Miller via Collider (aus dem Englischen)

So sehr man Millers Begeisterung verstehen mag: Was neben extremer Gewalt, von absurd-komisch bis abartig-grotesk, mit »Erwachsenen-Motiven« gemeint ist, stellt sich nach den 18 Kurzfilmen ziemlich klar und deutlich dar. Die Rede ist, natürlich, vom zumeist weiblichen Körper in maximaler Sexualisierung. In einigen der Episoden kommt gar keine Frau als Figur (geschweige denn handelndes Subjekt) vor, sondern ausschließlich als Objekt vulgärer Witze, auf Nacktpostern im Hintergrund, in Porno-Heften sowie verkörpert in Armaturenbrett- und Sexpuppen. Mag zum Genre gehören, ist trotzdem bedenklich.

Fazit zu Love Death & Robots

Einzelne Episoden sind für ein breites Publikum sehenswert, weil wirklich unterhaltsam und stark gemacht. Andere Episoden kommen zwar technisch brillant, aber zugleich dermaßen brutal daher, dass sie nur bedingt zu empfehlen sind.

Hier ein wesentlich euphorischeres Review zur Serie (auf Englisch):

2 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Strohmaier sagt:

    Hi Episodenguide zu Love, Death & Robots
    Folge 1 · Sonnies Vorteil

    ist ja mal mega geil es wäre mega wenn diese reine Serie weiter gemacht wird solch eine Geschichte mit solch einem Beast ist mega man möchte einfach mehr sehen lg Renee S.

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