Cinemathek

The Marvelous Mrs. Maisel | Serie 2018 | Kritik: Humorvoller Hochgenuss

Zuletzt aktualisiert am 14. März 2019 um 6:45

Die Drehbuchautorin und Serienproduzentin Amy Sherman-Palladino (Gilmore Girls) hat mit The Marvelous Mrs. Maisel eine charmante und wortgewandte Hochglanz-Comedy-Serie geschaffen. Erstmals veröffentlicht am 17. März 2017 auf Prime Video, seit 2018 gibt es zwei Staffeln, mit einer dritten Staffel in Produktion. Die Hauptrollen spielen Rachel Brosnahan (Manhattan) und Alex Borstein (Gilmore Girls). The Marvelous Mrs. Maisel ist inzwischen mit Emmys und Golden Globes ausgezeichnet worden und gilt als größter Serienhit aus dem Hause Amazon. Der Erfolg ist gerechtfertigt.

Score vom Bleiben
Poster zu »The Marvelous Mrs. Maisel«

New York City, 50er Jahre. Miriam »Midge« Maisel (Rachel Brosnahan) begleitet ihren Mann Joel (Michael Zegen) regelmäßig zu seinen Bühnen-Auftritten. Denn nach Feierabend versucht sich der Geschäftsmann gerne als Stand-up-Comedian. Eines Abends, nach einer besonders schlechten Performance, gesteht Joel seiner Frau, dass er eine Affäre mit seiner Sekretärin hat und Midge verlassen will. Massiv enttäuscht vom bald Ex-Mann (und Vater ihrer beider Kinder) redet sich Midge ihren Frust von der Seele – auf der Bühne jenes Nachtclubs, in dem Joel so peinlich gescheitert ist. Midge hingegen erweist sich als Comedy-Naturtalent. Die Nachtclub-Angestellte Susie Myerson (Alex Borstein) erkennt das sofort und heuert als ihre Managerin an.

Wir wollen anhand der überraschenden Karriere von Midge die Geschichte einer Familie zwischen gesellschaftlichen Erwartungen jener Zeit und persönlichen Zielen erzählen. 

Daniel Palladino (Produzent) im Interview (DWDL)

Serienkritik zu The Marvelous Mrs. Maisel

Man möchte in die Ausstattung dieser Serie reinspringen und in ihr leben: so behaglich sind diese Schauplätze! (Abgesehen von der Gefängniszelle, vielleicht.) In The Marvelous Mrs. Maisel ist das New York der 50er Jahre ein in warme, kräftige Farben getauchter Ort. Die Make-up, Mode, Möbel, all das macht die Serie so nostalgisch schön, dass man sie stumm geschaltet genießen könnte. Wie viele opulente Settings allein in Folge 4 der ersten Staffel abgefeiert werden, ist beeindruckend. Lange Kamerafahrten (etwa vom Close-up eines Bühnenmusikers über die Tanzshow vor dieser Bühne bis in den Backstage-Bereich), kreative Schnitte und Übergänge (immer noch Folge 4: der lässige Schwenk von der Silvesterparty zurück in die Gegenwart) und andere visuelle Schmankerl zeugen vom hohen Produktionsniveau: Das hier ist Unterhaltung vom Feinsten!

Serientipp: Ebenfalls in New York City (allerdings der Gegenwart) angesiedelt ist die tragikomische Drama-Serie Matrjoschka (2019) mit Natasha Lyonne.

Geist und Witz und viel davon

Doch gerade um der Unterhaltung willen sollte man den Ton unbedingt eingeschaltet lassen. Denn das Erfolgsrezept von The Marvelous Mrs. Maisel steht in den Drehbüchern – auf jeder einzelnen Seite und sogar zwischen den Zeilen. Geschliffene Dialoge werden geist-, witz- und wortreich von erstklassigen Schauspieler*innen zum Leben erweckt. Neben den großartigen Hauptfiguren sind vor allem Tony Shalhaub als Midges Vater Abe (»I wanted the option of getting out!«) und Marin Hinkle als Midges Mutter und Rodin-Fan Rose schlichtweg eine urkomische Kombi. The Jerusalem Post spricht übrigens von der »vielleicht jüdischsten Show, die für lange Zeit auf den Markt kommen wird« und schließt ihre Kritik mit dem Fazit (aus dem Englischen übersetzt):

Mrs. Maisel ist ein komödiantischer Hochgenuss von einer Show, die Sherman-Palladinos Talent für witzigen Dialog mit der bunten, reichen Welt der 1950er Jahre in New York und der Intensität des Familiendramas und des Wandels verbindet. Es wäre eine Schande [»shanda«], ihr keine Chance zu geben.

Amy Spiro (The Jerusalem Post) · zum Review

Fazit zu The Marvelous Mrs. Maisel

Liebevoll gezeichnete Charaktere voller Facetten im temporeichen Schlagabtausch – launisch, lustig, lebensfroh. The Marvelous Mrs. Maisel macht einfach Spaß, von den kleinen Gesten (Managerin Susie und ihre Visitenkarten) bis zu den großen Gesten (das ganze Paris-Kapitel). Und obwohl es so viel zu lachen gibt, trifft die Serie auch in den emotionalen Momenten stets den richtigen Ton, emotionale Teilhabe garantiert. Hinzukommt Kostüme und Kulissen, die ein Augenschmaus sind.

Zitate von Mrs. Maisel & Co.

Nachfolgend ein paar Zitate aus der Serie The Marvelous Mrs. Maisel im englischen Original.

You go explain Yom Kippur to gentiles. We’re happy, but we’re starving. It’s New Years, but we’re guilty.

Moishe Maisel

Your daddy is crazy…now let’s measure that forehead.

Miriam »Midge« Maisel

Life isn’t fair. It’s hard and cruel. You have to pick your friends as if there’s a war going on. You want a husband who’ll take a bullet for you, not one who points to the attic and says »They’re up there.«

Abe Weissman

Why do we have to pretend to be stupid when we’re not stupid? Why do we have to pretend to be helpless when we’re not helpless? Why do we have to pretend we’re not hungry when we’re hungry?

Miriam »Midge« Maisel über Frauen

You meet a girl. Maybe she’s pretty, maybe she’s smart, maybe she’s funny. Maybe your parents like her. Maybe you get really lucky, and she’s one or two of those things. I got them all with you.

Joel über Midge

I still control this house! I’m just doing it from in there.

Abe Weissman

It’s downtown. If you have underwear on, you’re overdressed.

Miriam »Midge« Maisel

Life is basically an all-you-can-eat shit show.

Jackie

It’s interesting… my father pointed out that my favorite part about a newspaper is the ads for shoes. And I felt bad about that, but now I think maybe they just put those ads in newspapers to distract us.

Miriam »Midge« Maisel

Sometimes I tune people out, but mostly because they rarely have anything useful or interesting to say.

Abe Weissman

If women don’t realize what’s going on in the world, they can’t step in and fix it. Because they WILL fix it. And accessorize it!

Miriam »Midge« Maisel

via GIPHY

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.