Cinemathek

DER STURM mit George Clooney | Film 2000 | Kritik

Zuletzt aktualisiert am 27. Februar 2019 um 7:53

Im Jahr 1991 zog ein heftiger Sturm über die Nordostküste der USA hinweg. Der Autor und Dokumentarfilmer Sebastian Junger schrieb ein Buch über diesen Sturm und dessen Auswirkungen. Es avancierte zum Bestseller und brachte Junger den Ruf eines »Ernest Hemingway unserer Zeit« zu sein. Zur Jahrtausendwende verfilmte der Regisseur Wolfgang Petersen das Buch – im Deutschen unter dem Titel Der Sturm.

George Clooney als Kapitän der Schiffscrew im Film »Der Sturm«

Zum Inhalt von Der Sturm: Ein Kutter mit Schwerfischern verlässt den Heimathafen von Gloucester und fährt raus auf den Atlantik. Der Kapitän Billy (George Clooney) hegt Hoffnung auf einen großen Fang – stattdessen findet er sich mit seiner Crew in einem »Supersturm« wieder, der zur ernsthaften Gefahr über ihren Kutter wird…

Wenn Helden sinken

Der 130-minütige Film beginnt mit einer Gedenktafel der Stadt Gloucester – weshalb der folgende Spoiler nicht wirklich einer ist: Der Sturm hinterlässt auf hoher See keine Überlebenden. Wie oft schaut man sich Filme an, in denen sich mutige Held*innen ins leichtsinnige Abenteuer stürzen und man denkt still bei sich: Ach, wie unrealistisch, dass solche Manöver immerzu gut ausgehen. Ich denke dabei etwa an Bryan Mills (Liam Neeson) aus 96 Hours – ein Mann gegen zahllose Verbrecher, kein Problem. Am Ende steht er als strahlender Gewinner da. Einerseits voll überzogen, dieses unbezwingbare Leinwand-Heldentum, andererseits…

…wie deprimierend ist es denn, wenn man über zwei Stunden mit sechs Seemännern im Jahrhundertsturm mitfiebert. Ohne Kenntnis der Literaturvorlage und der »wahren Begebenheiten« malt man sich aus, welche Charaktere wie gezeichnet sind und daher wohl früher über Bord gehen als andere… und am Ende von Der Sturm trifft es tatsächlich alle.

Tops und Flops des Genres: Ein weiterer Katastrophenfilm auf hoher See ist – unwesentlich bekannter als das Werk von Wolfgang Petersen – der Klassiker Titanic (1997) mit Kate Winslet. Und noch ein weiterer Katastrophenfilm, der nicht auf hoher See, sondern in Schweden spielt und zurecht wesentlich unbekannter als alles bisher genannte ist, heißt: The Unthinkable (2018)

Klar, wenn die Filmhelden überlebt hätten, wäre ich als Erster aufgesprungen, um die Geschichte ob seiner unwahrscheinlichen, überzogenen Handlung samt typischem Hollywood-Happy-End zu kritisieren. Stattdessen bleibe ich sitzen. Möchte trotzdem über die pathetische Inszenierung herziehen. Über den überzogenen Heroismus. Doch das bleibt mir wiederum im Halse stecken – angesichts der echten Schicksale, die der Geschichte zugrunde liegen.

Auf den letzten paar Metern – noch kurz die Sonne gesehen und Hoffnung geschnuppert – da schnappt sich die letzte große Welle den Kutter, dreht ihn einmal um und reißt ihn in die Tiefe.

Fazit zu Der Sturm

Was soll denn dieses »basierend auf einer wahren Begebenheit«? Wäre »inspiriert« nicht – mal wieder – die treffendere Wortwahl gewesen? Ein Fischkutter samt seiner Besatzung ist nicht aus dem Sturm zurückgekehrt. Die gesamte Handlung an Bord ist demnach der Fantasie der Nacherzähler überlassen. Doch auch ungeachtet des Bezugs auf die »wahren Begebenheiten« handelt es sich immer noch um ein packendes Überlebensdrama.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.