Cinemathek

28 Days Later · Zombie-Horror von Danny Boyle

Zuletzt aktualisiert am 5. Mai 2019 um 19:26

Ein post-apokalyptischer Zombie-Horror, für den die London Bridge lahmgelegt wurde – gefilmt mit handelsüblichen DV-Kameras für ambitionierte Amateurfilme. Allein damit erweckt 28 Days Later von Danny Boyle (Slumdog Millionär) schon einiges an Aufmerksamkeit. Das Skript schrieb der Oscar-nominierte Drehbuchautor Alex Garland (Regisseur von Auslöschung), die Kamera führte Anthony Dod Mantle (127 Stunden, Das Fest). Am 1. November 2002 erschien 28 Days Later im Vereinten Königreich. Im Jahr 2017 landete das radikale Genre-Werk bei einer TimeOut-Umfrage unter 150 Menschen aus der Filmbranche auf Platz 97 der besten britischen Filme aller Zeiten (siehe: Filmlisten vom Bleiben). Im folgenden Beitrag schneidet 28 Days Later etwas weniger gut ab.

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Naomie Harris in dem Horrorfilm »28 Days Later«

Großbritannien, Gegenwart: Der hoch-ansteckende Rage-Virus verbreitet sich rasant in der Bevölkerung. Betroffene mutieren in kürzester Zeit zu bisswütigen Raubaffen, die wild durch die Straße rennen, auf der Jagd nach Nicht-Infizierten. Binnen weniger Wochen ist die britische Hauptinsel eine einzige Gefahrenzone, bereits weitgehend entvölkert. Als 28 Tage nach Ausbruch des Virus ein Mann namens Jim (Cillian Murphy) aus dem Koma erwacht – im Londoner St. Thomas‘ Hospital – erkennt er die Welt nicht wieder. Ahnungslos tappt er in der lebensgefährlichen Hauptstadt herum… so beginnt der Horror-Trip des Helden in 28 Days Later.

Geliebte Gerne-Perle, leicht verblasst

Im März 2014 veröffentlichte CollegeHumor eine Liste mit 9 Filmen, die man als Teenager*in schauen sollte – und dann NIEMALS WIEDER (mit dabei: Klassiker wie Garden State, Donnie Darko und Fight Club). Auf dieser Liste wäre womöglich auch 28 Days Later ziemlich gut aufgehoben gewesen, um die 10 voll zu machen. Als Teenager habe ich 28 Days Later – mehr als einmal… – gesehen und geliebt. Welch erfrischende Abwechslung von den keuchend-kriechenden Romero-Zombies diese rennenden Rage-Infizierten doch waren! Ich fand den 113-minütigen Film extrem cool, kurzweilig, krass, all das, was sich ein 15-Jähriger von einem Film, den er eigentlich noch nicht sehen darf, wünscht. Ein paar Jahre durfte ich den Kameramann Anthony Dod Mantle interviewen. Da hatte ich den britischen Endzeit-Horror noch als geliebte Genre-Perle in Erinnerung.

Einerseits wollten wir [28 Days Later] digital auf MiniDV drehen, andererseits wollte Danny London evakuieren, was Filmgeschichte und verdammt nochmal gigantisch ist! Ich sagte ihm: Ich will nicht London evakuieren und dann einen Consumer Camcorder auspacken! Aber wir haben es getan und damit eine Menge Geld gespart.

Anthony Dod Mantle · hier geht’s zum ganzen Interview

Das Geld wurde an der richtigen Ecke gespart: Nicht an billigen Effekten, sondern an der Kamera-Technik, die durch den Downgrade auf quasi Amateurfilm-Ebene dem Film einen authentischen Touch gibt. 28 Days Later sieht einfach ungewöhnlich »roh« aus – dieser Look passt perfekt! Und tatsächlich ist’s auch eher die Logik, mit der ich mich schwer getan hab, als ich den Film ein paar Jahre später endlich mal wieder sah. Mal sehen, was warf Fragen auf?

Logik-Fragen zu 28 Days Later

  • Abgesehen vom gerade aus dem Koma erwachten Helden verhalten sich alle, als lebten sie seit Jahren in dieser verfluchten Zombie-Hölle. Vor allem die Machete-schwingende Selena (gespielt von Naomi Harris) wirkt ziemlich geübt im Survival-Training – dabei sind erst 28 Tage seit Ausbruch des Wahnsinn vergangen! Als was habt ihr vorher gearbeitet, dass ihr so fit im Überlebenskampf seid?
  • Aber vielleicht ist diese Selena mit allem ein bisschen schneller? Gen Ende von 28 Days Later verhält sie sich gegenüber dem Mädchen Hannah (Megan Burns), als sei sie deren Mutter – obwohl die beiden sich seit, kurz nachgerechnet, zwei Tagen kennen.
  • Wie die Überlebenden so fröhlich durch die leer gefegten Straßen schlendern und shoppen gehen, wundere ich mich: Ja, wo sind sie denn alle!? In der Serie The Walking Dead lauert hinter jedem Baum im hinterletzten Wald ne Horde Zombies, noch Monate nach dem Virus-Ausbruch. Und hier, 28 Tage nach Ereignis X: nix los, mitten in London!?
  • Obwohl es so schwer ist, auf Infizierte zu stoßen, geben sich alle Beteiligten doch redlich Mühe. Die Mit-der-Karre-durch-einen-dunklen-Tunnel-brettern-Aktion sollte in all ihrer Dummheit den Tod sämtlicher Autoinsassen zufolge haben. Aber dann wäre der Film ja vorbei… in The Walking Dead wären diese Knalltüten längst tot. Pardon, untot.

Belassen wir’s dabei. Nach wie vor bin ich von der Kameraarbeit begeistert. Dass dieser trotz aller Unsinnigkeiten atmosphärisch-dichte Horrortrip mit Mini-DV-Camcordern gedreht wurde, finde ich klasse! Motiviert angehende Filmemacher*innen doch ungemein: Es kommt nicht auf teure Technik an, um einen starken Film zu drehen. Reicht schon, nur kurz die London Bridge sperren zu lassen.

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