12 WINTER · Krimi über die Kanzler-Bande | Film 2009 | Kritik

Axel Prahl und Jürgen Vogel (Hin und weg) als Bankräuber – und zwar nicht irgendwelche Bankräuber, sondern die Hintermänner der »Kanzler-Bande«, die zwischen 1989 und 2001 eine der »spektakulärsten und längsten Bankraubserien der deutschen Geschichte« (FAZ) begingen. 36 Banken, 6 Millionen Euro. 12 Winter von Thomas Stiller setzt den Räubern ein filmisches Denkmal. Wie fällt das Urteil dazu aus?

Nachtrag: 15 Jahre. So lange mussten die Bankräuber, die ihre Taten mit Kanzler-Masken in Angriff nahmen, damals in Haft. 15 Jahre sind seit dem Urteilsspruch 2003 ins Land gezogen. Inzwischen – im Jahr 2018 – haben die Männer ihre Strafe also abgesessen. Ein zuständiger Ermittler empfindet die Strafe als zu lasch:

Das sind Hangtäter. Die gehören in Sicherungsverwahrung. Die werden aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur immer wieder ähnliche Verbrechen begehen.

Zitiert nach: TV TODAY
Yvonne Burbach, Matthias Köberlin und Wotan Wilke Möhring in dem Film »12 Winter« | Bild: EuroVision

Wahre Begebenheiten, und doch…

Das Urteil zum Film 12 Winter, mit dem ich mich nicht lange aufhalten möchte: Kurz ist er – und fühlt sich trotzdem an wie eine kleine Haftstrafe. Selten sowas Dämliches gesehen. Nominiert für den Adolf-Grimme-Preis und den Deutschen Fernsehkrimipreis. Schon die bloße Aussicht des Films auf diese Trophäen stellt die Relevanz derselben für mich in Frage. Wobei mein Ärger ein bisschen dadurch auszuhebeln ist, dass der Film ja tatsächlich »auf wahren Begebenheiten« beruht. Ausgerechnet die Geschichte ist es nämlich, dir mir zuweilen blöd erscheint. Lassen wir die Tatsachen mal kurz beiseite:

12 Winter ist ein Film, über zwei Bankräuber und deren geniale Idee, ein bisschen Sport zu treiben. Dadurch wirken sie, so rein von der Fitness her, bei ihren maskierten Überfällen rund 10 Jahre jünger zu wirken – und stellen die Polizei damit vor ein Rätsel.

…wenig überzeugend

Ich hab keine Ahnung von Polizeiarbeit und will mir – eigentlich – auch keine Meinung dazu anmaßen. Vielleicht ist die Darstellung der Polizeiarbeit in dem Film 12 Winter ja auch näher an der Wirklichkeit, als man meint. Immerhin haben am echten Fall beteiligte Ermittler (und Täter!) das Filmteam beraten. Trotzdem: diese Szene, in der die Kommissare das Material von den Überwachungskameras sichten und sehen, wie einer der Räuber beim Sprung über’n Tresen leicht mit dem Fuß umknickt, aber trotzdem weitermacht, was die Ermittler grübeln lässt: »Warum lässt jemand, der mit dem Fuß umknickt, sich seinen Schmerz nicht anmerken?« Sorry, da bin ich raus. Der Kommissar (Wotan Wilke Möhring) führt seinen laut ausgesprochenen Gedanken zu Ende: »Weil er nicht aus der Rolle fallen will – aus der Rolle eines 20- bis 30-jährigen Mannes!«

Oder: Weil er gerade eine verdammte Bank ausraubt!? Soll der Räuber – gleich welchen Alters – sich bei einem umgeknickten Fuß gleich auf den Boden werfen und einen auf Fußballer machen? Es gibt ein paar solcher Szenen, die mich nicht überzeugt haben… nun gibt es zugestandenermaßen klare Unterschiede zwischen Fiktion und Wirklichkeit, die mal aus dramaturgischen, mal aus polizeitaktischen Gründen vorgenommen wurden. Ich möchte dazu nicht tiefer ins Detail gehen, weil mir der Film so wenig gefallen hat – nicht noch mehr Zeit daran verschwenden.

Zur Verteidigung des Werks – die FAZ fand ihn ganz gut:

Wie der Film die Szenen beider Teams ineinander übergehen lässt, wie die anfangs elegische Musik fast unmerklich den Pulsschlag erhöht, das erzeugt einen Sog, dem sich der Zuschauer nicht entziehen kann.

Jörg Thomann (FAZ)

Fazit zu 12 Winter

Was den Sog angeht: Ich hab den Film 12 Winter ja auch zu Ende geschaut. Mit Haare-Raufen, aber das tut einer mäßigen Spannung keinen Abbruch. Die Schauspieler machen ihre Arbeit gut. Trotzdem kann ich keine Empfehlung aussprechen – da gibt es bessere Kriminalfilme, mit denen man seine Zeit verbringen kann. 

Nachtrag: Victoria (2015) zum Beispiel.

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