Cinemathek

Lone Survivor · über US-Militarismus | Film 2013

Zuletzt aktualisiert am 7. Mai 2019 um 5:49

Mark Wahlberg war mal Dirk Diggler. Der ruhige Junge mit der weichen Stimme, der als aufstrebender Star in der Porno-Industrie allen den Kopf verdrehte. Das war in Paul Thomas Andersons Film Boogie Nights (1997), ein Meilenstein in Wahlbergs Schauspiel-Karriere, der maßgeblich zu seinem Aufstieg in die A-Liga Hollywoods beitrug. Inzwischen ist Mark Wahlberg – ehemaliger Schulabbrecher und Jugendkrimineller – oben angekommen. Er fungiert neben der Schauspielerei nun auch als Produzent. So etwa bei dem Kriegsdrama Lone Survivor.

Score vom Bleiben
Schauspieler Mark Wahlberg in dem Film »Lone Survivor«

Verherrlichung in Zeitlupe

Zum Inhalt von Lone Survivor: Während des Afghanistan-Krieges (seit 2001), versuchen amerikanische Streitkräfte im Juni 2005, einen Anführer der Taliban auszuschalten. Bei der Annäherung an das Dorf, in welchem er vermutet wird, geraten sie in ein verheerendes Kreuzfeuer mit Anhängern der Taliban.

Mal sehen, was hat mich an Lone Survivor gestört? Auf einen quasi-dokumentarischen Vorspann folgt ein einstündiges Build-Up, das letztendlich nur dazu dient, ein ebenso langes Gefecht zu rechtfertigen. In dem sterben die stolzen Soldaten plötzlich Leinwandtode, wie die Helden in Zack Snyders Comicverfilmung 300 (2006). Das heißt: im schönsten Licht, mit stoischen Gesichtsausdrücken, stolzer Haltung und natürlich in Zeitlupe, Großaufnahmen, Details von klaren, blauen Augen…

Buchtipp: Hier geht es zu einem Blogbeitrag über den Briefwechsel Warum Krieg? zwischen Albert Einstein und Sigmund Freud. Und hier gibt’s die Buchkritik zu Kleine Geschichte Afghanistans (2017).

Propaganda ist ein hartes Wort dafür, aber das erste, das mir zu Lone Survivor in den Sinn kam. Denn dieser Film feiert den Krieg und seine Protagonisten, gerade indem er die dreckigen Seiten zeigt. Obwohl es aufs Übelste zugeht, blutig, gefährlich, aussichtslos, versteht sich dieser Film nicht als Mahnmal gegen den Krieg. Diese letzte Chance auf Gefallen oder wenigstens Verständnis verspielt er in einem Abspann, der die gefallenen Helden zelebriert, als sei ihr Tod es wert gewesen. Filmkritiker Christoph Petersen spricht von einem plumpen Hurra-Amerika-Militarismus und bringt es ziemlich gut auf den Punkt:

Würden die Soldaten nicht die US-Flagge auf der Brust tragen, hätte Lone Survivor mit seiner Männer-sind-nur-Männer-wenn-sie-50-Taliban-das-Hirn-rausgepustet-haben-Haltung sicher das Zeug zum neuen Lieblingsfilm von Vorzeige-Militärmacho Vladimir Putin. Dass die Elitesoldaten selbst eine solche Einstellung innehaben müssen, um in ihrem menschenverachtenden Job überhaupt funktionieren zu können, ist dabei gar nicht das Problem, das entsteht vielmehr dadurch, dass die Filmemacher diese Attitüde ohne jeden Anflug von Reflektion übernehmen. Da muss man nicht nur als Kriegsdienstverweigerer zuweilen ganz schön schlucken.

Christoph Petersen (Filmstarts)

Stimmt, auch schlichtweg ausgemustert muss man da »ganz schön schlucken«. Mir schnürt sich bei Filmen wie Lone Survivor die Kehle zu, weil sie die Notwendigkeit von Krieg als so selbstverständlich hinnehmen.

Fazit zu Lone Survivor

Kurz: 3/10 Punkte. Weniger Geballer von tiefgründigeren Figuren hätten mich vielleicht etwas mehr für diesen Film gewinne könne – vermutlich aber nicht.

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