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Napoleon · Monumentales Biopic von Abel Gance | Film 1927

Zuletzt aktualisiert am 18. April 2019 um 10:41

Abel Gance wollte ein sechsteiliges Napoleon-Epos schaffen. Stattdessen blieb es bei einem einzigen Film über den Militär-Strategen Napoleon Bonaparte. Für die Fortsetzungen bekam Gance das Geld nicht zusammen. Was lernen wir daraus? Einfach loslegen und fröhlich dem eigenen Größenwahn frönen – denn es kann immer noch ein Meisterwerk der frühen Filmgeschichte dabei rum kommen!

Score vom Bleiben
Beitragsbild zu »Napoleon«

Zum Inhalt: Eines verschneiten Wintertages im Jahr 1781 zeigt der junge Napoleon auf der Militärschule erste strategische Stärken – bei einer Schneeballschlacht. Es folgen stürmische Jahre der Revolution, aus denen Napoleon als getriebener Herrscher hervorgeht.

Lehrstück früher Filmkunst

Der Film Napoleon funktioniert auch ohne weitere Teile als eigenständiger Meilenstein der Filmgeschichte. Selbst wenn man Gefahr läuft, sich über vier Stunden von der auf Dauer eintönigen Musik einlullen zu lassen, lohnt es sich doch, die Augen aufzuhalten. Die Darstellung der historischen Figur Napoleon Bonapartes kam mir zwar dezent verherrlichend vor, aber allein die technische Umsetzung ist ein cineastisches Lehrstück für sich. Alles, was damals möglich war, hat Abel Gance eingesetzt. Deshalb wirkt der Film für sein Erscheinungsjahr 1927 enorm dynamisch, mit Handkamera, Splitscreen, Schnittmontagen und mehr. Da bleibt doch die Frage: Was würde Abel Gance erst schaffen, würde er heute noch voll im Saft stehen und spektakuläre Biopics drehen?

Filmtipp: Weitere sehenswerte Biopics sind Bohemian Rhapsody (2018) über Freddie Mercury und Leto (2018) über den russischen Rockstar Viktor Tsoi.

Ich habe mir dieses – ja, es verdient die Bezeichnung – Meisterwerk leider nur in bescheidener Bildqualität ansehen können. Mit Sicherheit nichts im Vergleich dazu, was die Zuschauer*innen bei einer Kinoaufführung wie der auf dem San Fransisco Silent Film Festival erwartete.

Kinofreunde, besetzt eure Kampfstationen: Abel Gance’s legendärer stummer Riese Napoleon, der seit fast 30 Jahren in den USA nicht mehr in einem Lichtspielhaus mit musikalischer Live-Begleitung gezeigt wurde, wird vom San Francisco Silent Film Festival 2012 in vier Sonderaufführungen im Paramount Theatre in Oakland präsentiert.

The Criterion Collection

Hier der Trailer zur Neuaufführung:

Von jemandem, der eine solche Live-Aufführung erlebt hat:

Es ist ein Film von unerwarteter Vielfalt, und ja, Unebenheiten. Schon allein deshalb, weil seine besten Sequenzen unmöglich zu vergleichen sind. Ungeheuerlich, aber nicht makellos, ist Napoleon manchmal ein Meisterwerk und manchmal ein Skizzenbuch mit spannenden, komplizierten Entwürfen. Die Magie ist, dass Gances Ehrgeiz genauso aufregend ist wie seine Errungenschaften

PH, in: Silent London (2013)

Fazit zu Napoleon

Gewiss, wer einfach gerne Filme schaut und mit aktueller Kinokost zufrieden ist, muss sich diesen Schinken von satten 330 Minuten nicht zu Gemüte führen. Zeit ist ja nunmal auch ein kostbares Gut. Doch wer sich für die frühe Filmgeschichte interessiert, wird über diesen Meilenstein ins Staunen geraten. (Hier ein Beitrag zum Beginn der Filmgeschichte mit der Roundhay Garden Scene.)

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