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Triple Frontier | Film 2019 | Kritik: Keine Gefangenen, keine Helden

Zuletzt aktualisiert am 16. März 2019 um 5:14

Triple Frontier ist ein paramilitärisches Heist-Movie mit zweifelhaften Helden. Die Hauptrollen spielen mit Ben Affleck, Oscar Isaac, Charlie Hunnam, Garrett Hedlund und Pedro Pascal eine Runde gestandener Action-Stars. Einzige Frau in dem Spektakel ist (von einem kurzen Tochter-Auftritt mal abgesehen) Adria Arjona als Informatin. Der Film wurde am 13. März 2019 auf Netflix veröffentlicht – und siehe da: Regisseur J. C. Chandor erzählt nach genre-typischem Einstieg eine erstaunlich interessante Geschichte.

Score vom Bleiben
Filmplakat zu »Triple Frontier«
Filmplakat zu Triple Frontier

Santiago »Pope« Garcia (Oscar Isaac) kontaktiert ein paar ehemalige Kameraden. Die ehemaligen Mitglieder einer Spezialeinheit der US-Armee schlagen sich in ihrem Veteranen-Dasein als Makler oder Cage-Fighter so durchs Leben – finanziell könnte es besser gehen. Deshalb nimmt sogar Tom »Redfly« Davis (Ben Affleck), ehemaliger »chief« der Truppe, trotz Bedenken das Angebot von Garcia an: Der möchte mit seinen Jungs den Drogenbaron »Mr. Lorea« im südländischen Dreiländereck Tres Fronteras beschatten und, wenn möglich, ausschalten und ausrauben. In dessen Villa soll Unmengen an Bargeld lagern.

Filmkritik zu Triple Frontier

Nach einer explosiven Schießerei liefert Triple Frontier erstmal einen Genre-typischen Auftakt: ein tougher Typ – Oscar Isaac (Auslöschung) – stellt ein Team harter Kerle zusammen, um ein übles Ding durchzuziehen. Dramaturgisches ist das konventionell, aber gut und bündig abgewickelt. Der Spannungsaufbau bis zur Villa des berüchtigten Drogenbarons, im Dickicht des Dschungels, funktioniert solide – auch wenn wir über die Hintergründe unserer Helden arg wenig erfahren. Dafür wird in aller Deutlichkeit gesagt: Was die Ex-Veteranen hier machen, geschieht nicht mehr unter Staatsflagge, sondern ist kriminell. Nun gut, da es gegen einen Gangster geht, scheint das erstmal nicht so schlimm.

Das ist der Preis dafür, ein Krieger zu sein.

William Miller (Charlie Hunnam) in Triple Frontiers

Die Konfrontation und selbst Identifikation mit zweifelhaften Held*innen sind wir ja gewohnt. Ob Mallory Knox oder Walter White, die coolsten Filmfiguren sind selten »die Guten«. Und doch, wegen der realistischen Inszenierung von J. C. Chandor versprüht das Action-Drama Triple Frontier einen anderen Vibe als ähnliche Genre-Werke (um ein Extrembeispiel zu nennen: The Expendables). So militärisch fit die Jungs auch sind, geht ihnen das Heldenhafte im Verlauf der Handlung doch ziemlich ab – und wenn den Zuschauer*innen in der zweiten Filmhälfte dämmert (keine Spoiler, versprochen) wer eigentlich ihr Gegenspieler ist, das mausert sich Triple Frontier zu einer starken Parabel.

Seine eigenen Handlungen immer wieder moralisch zu rechtfertigen, ist ein schleichender Prozess. Was ich an der Geschichte mag, ist, dass sich eben die Antwort auf die Frage nach der Moral im Verlauf des Films immer wieder verschiebt.

Ben Affleck im Interview mit NTV

Weitere Filme von J. C. Chandor sind hier als Blu-ray erhältlich (Affiliate-Links, erfahre mehr dazu):

Fazit zu Triple Frontiers

Für Genre-Freund*innen ist Triple Frontier zu empfehlen – und selbst für Fans eher ruhigerer Film (wie J. C. Chandors vorausgegangenem Werk, dem Thriller A Most Violent Year) durchaus sehenswert und unterhaltsam. Die Kamera von Roman Vasyanov (Bright) fängt die unwirtliche Gegend von Tres Fronteras in Bildern von rauer Schönheit ein – eine befremdlich idyllische Kulisse, vor denen sich Raubmord und Verfolgung hier abspielen. Alles in allem: bildgewaltig und konsequent. Ein Film, der keine Gefangenen macht – dafür ein starkes Statement zum Wesen des Menschen.

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