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Juanita | Film 2019 | Kritik: Ideenreich inszenierte Selbstfindungs-Reise

Zuletzt aktualisiert am 16. März 2019 um 5:19

Juanita ist ein US-amerikanisches Spielfilm-Drama, das (nicht zufällig) am Weltfrauentag 2019 – dem 8. März – auf Netflix veröffentlicht wurde. Thema des Films ist die Selbstfindungs-Reise der Titelheldin Juanita. Die Hauptrolle dieser Verfilmung des Romans Dancing on the Edge of the Roof (2002) von Sheila Williams übernahm die Schauspielerin Alfre Woodard (Saint Judy).

Score vom Bleiben
Filmposter zu »Juanita«
Filmposter zu Juanita

»Ich bin ein verdammtes Klischee«, stellt Juanita eines Abends auf der Couch fest. Dort sitzt sie mit der Enkeltochter im Arm vor dem Fernseher, während die drei erwachsenen Kinder ihre alleinerziehende Mutter als selbstverständlich wahrnehmen. Und selbst Juanitas Lover pumpt sie um Geld an – im Traum! Juanita entscheidet, es muss sich etwas ändern. Spontan entscheidet die Krankenschwester, eine Reise zu unternehmen. Allein, Richtung Westen, der Rest ist ungewiss. Sie landet in dem (fiktiven) Ort Paper Moon, Montana.

Du kannst nicht zu dir selbst finden, wenn du nie verloren gehst.

Mit Schwung ins Ungewisse

Schon der Vorspann dieser liebevollen Literaturverfilmung ist charmant gemacht. Da wird die Vorgeschichte Juanitas mit einer Reihen von Skizzen illustriert – keine große Animationskunst à la Disney, sondern schlichte, schöne Strichzeichnungen. In der Exposition zum Auftakt quatscht Juanita dann direkt in die Kamera, um sich und ihr Leben vorzustellen. Der frühe Durchbruch der vierten Wand samt lässigem Übergang in Juanitas Traumwelt machen klar: Hier wird’s nicht langweilig. Tatsächlich gibt es etliche kreative Übergänge und Szenen-Ideen, die Juanita eine angenehme Lockerheit verleihen. Auch die ernsten Themen des Films – etwa, wie schnell man als schwarzer Mensch im amerikanischen Knast landen kann – werden ohne Schwere in die schwungvolle Erzählung eingebunden. Ein kleines, inszenatorisches Kunststück.

Filme über Frauen »mittleren Alters« sind übrigens keine Seltenheit: Hier eine Liste von Bustle (Englisch): 19 Filme mit Frauen über 40 in der Hauptrollen, »because age ain’t nothing but a number«. || Und hier geht’s zu Bustle’s Beitrag über den Film Juanita, geschrieben von Trish Bendix (ebenfalls Englisch).

Entspannt am Set

Die Autorin der literarischen Vorlage, Sheila Williams, hat sich während der Dreharbeiten zu Juanita übrigens sehr zurückgehalten. »Ich verstehe: Wenn jemand deine Arbeit adaptiert, dann wird sie zu einem neuen Wesen. Es wird eine Art Hybrid«, so Williams im Interview, »also war ich gewillt, mich [am Filmset] zurückzulehnen und dem Team nicht auf den Keks zu gehen.« Es ist das erste Mal, dass ein Roman von Williams verfilmt wird: »Und ich kann es immer noch nicht glauben!«1

Juanita handelt von einer Selbstfindungs-Reise. Im Fokus steht immerzu die titelgebende Heldin. Die Drehbuch-Adaption von Roderick M. Spender und die Schauspielerin Alfre Woodard verleihen dieser Heldin so viel Tiefe und Charisma, dass der Fokus auf Juanita sich auch gelungen trägt, über die 90 Minuten. In weiteren Rollen sind unter anderem Blair Underwood (grandios als er selbst – in Juanitas Träumen) und Adam Beach (Suicide Squad) zu sehen. Letzterer spielt einen Koch, mit dem Juanita auf ihrer Reise anbändelt. Die Beziehung zwischen den beiden ist wundervoll erzählt. Begleitet von Dialogen, die sich »echt anfühlen«, und sparsam eingesetzten, dafür umso effektiveren Momenten der Intimität.

Filmtipp: Apropos Weltfrauentag… hier unsere Filmkritik zu Suffragette – Taten statt Worte (2015) mit Carey Mulligan.

Fazit zum Film Juanita

Insgesamt ist Juanita ein amüsanter, herzenswarmer Wohl-Fühl-Film. Kein großes Kino, eher kleine Filmperle. Tod und Abschied, Sucht und Angst, solche Schattenseiten des Lebens nimmt der Film in sich auf, ohne je wirklich düster zu werden. Das mag am idyllisch-grünen und immerzu sonnigen Schauplatz (gedreht wurde im US-Bundesstaat Virginia) liegen, vor allem aber an der Ausstrahlung der Hauptfigur, die man auf ihrer Reise nur zu gerne begleitet. Und wer weiß, vielleicht geht diese Reise noch weiter. Sheila Williams hat 2005 jedenfalls die Fortsetzung zu ihrem Roman geschrieben. Sie heißt: On the Right Side of a Dream.

Bücher von Sheila Williams sind hier erhältlich:

Fußnoten

  1. https://www.washingtontimes.com/news/2018/apr/1/kentucky-authors-book-made-into-netflix-movie-juan/

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