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Unicorn Store | Film 2017 | Kritik: Nicht alles Gold, was glitzert

Zuletzt aktualisiert am 28. April 2019 um 19:48

Gerade geht Brie Larson als Captain Marvel durch die Decke, da präsentiert Netflix das Regie-Debüt der preisgekrönten Schauspielerin. Die Komödie Unicorn Store feierte bereits auf dem Toronto International Film Festival am 11. September 2017 seine Premiere, ehe sie am 5. April 2019 auf der Streaming-Plattform verfügbar gemacht wurde. Mit von der Partie ist – was Captain-Marvel-Fans aufhorchen lassen wird – auch Samuel L. Jackson. Außerdem: Joan Cusack (Arlington Road), Bradley Whitford (Get Out), Karan Soni (Deadpool) und Mamoudou Athie (The Circle). So sehr das ambitionierte Glitzerfest, das dieser Film ist, vom Look her den Charme einer Herzensangelegenheit atmet, geht ihm leider recht früh die Luft aus.

Score vom Bleiben
Beitragsbild zum Film »Unicorn Store«

Einhorn-Märchen als Erstlingswerk

Drehbuch-Autorin Samantha McIntyre erzählt in Unicorn Store die Geschichte einer einsamen jungen Frau namens Kit (Brie Larson), die nach einem gescheiterten Versuch einer Künstlerin-Karriere erwachsen werden muss. Sie zieht zunächst wieder bei ihren Eltern (Joan Cusack, Bradley Whitford) ein. Von denen zurück ins Leben gedrängt, nimmt Kit einen Job als Zeitarbeiterin an. Doch dann erreicht sie eine seltsame Einladung in »den Store« eines mysteriösen Verkäufers (Samuel L. Jackson), der das verkauft, »was du brauchst«. Das ist, im Fall von Kit, ein lebensechtes Einhorn. Um dieses zu bekommen, müsse sie jedoch »die richtige Person« sein, oder im englischen Original: »the right sort of girl«.

Everyone needs a little magic. Even if they’re all grown up.

Tagline des Films

Dass ausgerechnet das »girl« in der Synchro verloren geht, beraubt den Film Unicorn Store ein wenig seiner zugrunde liegenden Message vom widerwilligen Hineinwachsen in eine schrecklich konformistische Erwachsenen-Welt, die nicht für jede*n gemacht ist. Brie Larson spielt ein kindsköpfiges Mädchen, das mit seinen Teddys spricht und Kaffee »ekelig« findet, sich aber irgendwie in einem öden Büro-Job zurechtfinden muss – Sexismus am Arbeitsplatz inklusive.

Und weil es Brie Larson ist, ihrerseits Aktivistin für Gleichberechtigung und gegen sexuell Übergriffige (man erinnere an ihre Reaktion auf den Oscar an Casey Affleck) wittert man darin einen bald tieferen Sinn. Eine als schräge Komödie getarnte Gesellschaftskritik vielleicht, die sich spätestens im zweiten Plotpoint durch einen dunklen Turn offenbart? Nichts dergleichen. Stattdessen tritt mit Mamoudou Athie einfach ein netter love interest in Erscheinung, der Kit bei der Hand nimmt, wenn sie ihre Kindheitsträume zurücklassen muss.

Es ist nicht alles Gold, was glitzert.

Scott Tobias (NY Times)

Fazit zu Unicorn Store

Alles in allem bleibt der Film Unicorn Store blass. Der oft bemühte Humor zündet selten – was insbesondere bei Kits Eltern schade ist. Da steckt viel Potential, das zu entfalten die hochkarätigen Schauspieler*innen einfach keine Gelegenheit bekommen. Selbst die Rolle von Samuel L. Jackson ist nichts weiter als ein fesch gekleidetes Werkzeug, um den dünnen Plot voranzutreiben.

Am Ende wissen wir kaum, wer all die Nebenfiguren wirklich sind. Dafür lag der Fokus überdeutlich auf der Filmheldin, was immer einen etwas faden Beigeschmack hat, wenn Hauptrolle und Regie in einer Person zusammenfallen. Brie Larson bietet sich selbst viel Screentime, aus der sie im Gegenzug kaum etwas herausholt. Insofern muss man wohl der Filmkritikerin Kristy Pucko (IGN) zustimmen, die in der kurzen Spieldauer von 92 Minuten das Beste an Unicorn Store sieht.

Ein positives Review zum Film findet man bei den Screen Queens – denn Kacy Hogg hat Unicorn Store sehr gefallen. Hier geht’s zu ihrer Filmkritik (auf Englisch).

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