Cinemathek

FRITTEN ZUM MITTAG mit Anja Harnisch | Kurzfilm 2012 | Kritik

Zuletzt aktualisiert am 31. Dezember 2018 um 7:37

Allet lecka. Allet jut. So steht’s in Kreide auf der kleinen Tafel, neben der die Fritten-Frau die Theke wischt. Gespielt wird sie von der Schauspielerin Anja Harnisch, einer wirklich überzeugenden Hauptdarstellerin, die sich hier inmitten stereotyper Rollenbilder wiederfindet (im Repertoire: die Kiffer, das Arschloch, der Schmierlappen, die Betrogene). Harnisch hebt durch ihre gelungene Performance den 18-minütigen Kurzfilm Fritten zu Mittag (2012) von Florian Al Salk – für mein Empfinden – auf ein höheres Level. Nicht falsch verstehen: Das Level ist gar nicht mal so niedrig.

Schauspielerin Anja Harnisch in dem Kurzfilm »Fritten zum Mittag«

Merle und die Machos

Zum Inhalt: Die Berlinerin Merle arbeitet in einer Frittenbude im Weddinger Kiez. Zu ihrer Stammkundschaft gehören ein paar Machos, die sich gerne zweideutig artikulieren. Als endlich mal ein scheinbar ehrenwerter Typ ihren Weg kreuzt, schöpft Merle doch noch Hoffnung auf die große Liebe… derweil stiften die Rumtreiber Scott und Boris im Viertel nichts als Unwesen.

Den Kurzfilm Fritten zum Mittag gibt’s in voller Länge auf YouTube zu sehen:

Immerhin gelingt der Komödie Fritten zu Mittag, was in dem Genre keine Selbstverständlichkeit ist: Sie funktioniert, ist lustig, langweilt nicht und macht bei YouTube die Runde: über 13.000 Klicks hat das Ding schon [Nachtrag, ein paar Jahre später: über 700.000 Klicks – Hui!]. Dank englischer Untertitel hat Fry Noon ein internationales Publikum, das sich höchst amüsant über den Film auslässt. Best of YouTube-Kommentare:

I hate this kind of girls. if this was my boyfriend, I would kick him in the nuts, so he we won’t be able to use them.

Joy Division

wtf i’m doing here , i have exams and i’m trying to learn german at 23hpm

Naw EL

well it’s finally confirmed. germans aren’t funny.

mrlozmoore

Die Kameraarbeit in Fritten zu Mittag ist so zurückhaltend, das Licht so allgegenwärtig wie am Vorabend im Ersten Deutschen Fernsehen – hier wird das Rad nicht neu erfunden, aber mit einer gewissen Selbstsicherheit daran gedreht. Soweit ich’s zuordnen kann, handelt es sich um eine Studentenproduktion von der Beuth Hochschule für Technik in Berlin. Dem Behind-the-Scenes-Clip (eine Aneinanderreihung von Ü200 Klappen) war nichts Genaueres zu entnehmen – wohl aber, dass da eine Filmcrew mächtig Laune hatte. Hier der Blick hinter die Kulissen von Fritten zu Mittag:

Filmtipp: Ein besondere deutsches Kurzfilm-Projekt (mit europäischem Anstrich) ist die Kompilation Points of View (2013) aus Wuppertal.

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