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Chewing Gum | Kritik: Michaela Coels derbe-ehrliche Sex-Sitcom

Zuletzt aktualisiert am 6. Juli 2019 um 7:25

Chewing Gum ist eine britische Sitcom, kreiert und geschrieben von Michaela Coel (Black Earth Rising, Black Mirror), die darin auch die Hauptrolle spielt. Im Jahr 2016 gewann sie für diese Serie unter anderem den BAFTA-Award als »Breakthrough Talent« – und man sollte tatsächlich ein Auge auf dieses aufstrebende Multitalent halten.

Score vom Bleiben
Beitragsbild zur Serie »Chewing Gum«

Zum Inhalt: Chewing Gum handelt von Tracey Gordon, 24 Jahre alt und doch noch ziemlich zwischen kindischen Impulsen und Teenager-Exzentrik gefangen. Tracey will mehr über die Welt lernen und endlich Sex haben. Sie lebt zusammen mit ihrer dominanten Mutter und einer prüden, älteren Schwester – evangelische Christinnen, die es mit der Religion sehr ernst nehmen. Aus der Spannung zwischen eben diesem familiären Umfeld und Traceys dringlichem Wunsch, ihre Jungfräulichkeiten zu verlieren, zieht die Sitcom Chewing Gum ihre Komik.

Sex zum Vergnügen

Nicht zu vergessen: Es gibt etliche Freundinnen und Nachbarinnen in Chewing Gum, die ihrer Sexualität wesentlich offener gegenüber stehen und einen – für Tracey zuweilen irritierenden – Gegenpol bieten. So regt sich ihre beste Freundin Candice darüber auf, dass ihr Freund sie vieeel zu sanft nimmt. Kleiner Schlagabtausch aus Chewing Gum, im englischen Original:

Candice: I want him to have a firmer hand.
Tracey: Of course, man.
Candice: I want him to hold me down.
Tracey: He’s got to be there for you, man.
Candice: …with his hands, like tighter, strangle me like bear tight until I almost die, but I don’t. I just do a big come. Fuck Fifty Shades of Grey. That’s some vanilla shit. I’m talking raw BDSM, bondage, discipline, wankings, spanking…
Tracey: Yeah – I feel uncomfortable.

»Erstes Mal« in Chewing Gum

Als Tracey sich Tipps zum Thema »Erstes Mal« holt, bekommt sie die von Candice und deren Großmutter. Tipp 1: Sie solle sich einfach auf sein Gesicht setzen. Dazu Trisha (SSL):

Der eine Ratschlag, den ihre erfahrene Freundin (und deren Oma) ihr geben, ist im Grunde genommen, Oralsex zu verlangen. […] Ich bin voll dafür, hohe Erwartungen in Sachen Cunnilingus zu haben. Da »Penis in Vagina« nicht zum Orgasmus führen, »Mund auf Klit« aber schon, denke ich, sind diese Erwartungen durchaus gerechtfertigt. Ich liebe es, dass hier über »das erste Mal« mit einem Fokus auf ihrem Vergnügen gesprochen wird.

Trisha (SSL)

Chewing Gum gehe mit »sexuellen Situationen aus einer realistischen und weiblichen Perspektive daher« und bringe dadurch frischen Humor und neue Einsichten. Ein herrliches Beispiel für die »weibliche Perspektive« ist die Rolle von Traceys Vater – dazu muss man aber schon ganz genau hinschauen, gen Ende der zweiten Staffel 😜. Auch VICE ist von der überdrehten, temporeichen Sitcom ziemlich hingerissen:

Ob es Candice ist, die mit ihrem Freund argumentiert, dass ihr Interesse an BDSM sie nicht seltsam macht, oder Cynthias hochklinische und recherchierte Version ihres eigenen sexuellen Erwachens (»Ich habe mein Jungfernhäutchen präventiv zerrissen«) – Chewing Gum bietet den Zuschauer*innen brutale und erfrischende Ehrlichkeit.

VICE

Trailer zu Staffel 1 von Chewing Gum (auf Deutsch):

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