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Black Earth Rising | Kritik: Polit-Thriller als ambitionierte Mini-Serie

Zuletzt aktualisiert am 8. März 2019 um 5:31

Black Earth Rising ist eine Dramaserie über die Strafverfolgung internationaler Kriegsverbrechen sowie die Aufarbeitung des Völkermords in Ruanda – mit Michaela Coel (Chewing Gum) in der Hauptrolle. Geschrieben und inszeniert wurde sie von Hugo Blick, der als Autor und Regisseur zuletzt die Miniserie The Honourable Woman (2014) mit Maggie Gyllenhaal (Secretary) umgesetzt hat. Am 25. Januar 2019 wurde Black Earth Rising international auf Netflix veröffentlicht.

Score vom Bleiben
Poster zur Serie »Black Earth Rising«
OriginaltitelBlack Earth Rising
OriginalspracheEnglisch
FormatSerie · 1 Staffel, 8 Episoden, je ca. 60 Minuten
GenreDrama, Politthriller
ThemenIdentität, Gerechtigkeit, Völkermord in Ruanda
Veröffentlichung10. September 2018 (UK)
25. Januar 2019 (DE)
VerfügbarkeitDVD (UK-Import) · Netflix
FSK
Altersempfehlung vom Bleiben16 Jahre

Das Grab der Gerechten

Black Earth Rising erzählt die Geschichte von Kate Ashby (Michaela Coel), die ihren richtigen Namen nicht kennt. Die 28-jährige Justiz-Ermittlerin arbeitet in der Londoner Anwaltskanzlei von Michael Ennis (John Goodman). In Ruanda geboren, erlebte Kate als kleines Mädchen den dortigen Völkermord mit, der 1994 binnen nur vier Monaten über 800.000 Menschen das Leben kostete. Kate entkam dem Tod knapp, dank der britischen Anwältin Eve Ashby (Harriet Walter), die Kate als Adoptivtochter bei sich auf nahm. Eve arbeitet als Anklägerin am Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Als sie einen Fall gegen einen afrikanischen Warlord annimmt, der am Genozid in Ruanda beteiligt gewesen sein soll, nimmt auch das Leben von Kate eine schlagartige Wende.

Der Trailer zur Serie:

Die Auftaktszene zu Black Earth Rising hat es in sich: Bei einer Fragerunde vor Publikum wird die stolze Juristin Eve Ashby von einem afrikanisch-stämmigen Zuschauer gefragt, was ihre Motivation sei, »diesen neukolonialistischen Bullshit hinzukotzen?« Immerhin werden überwiegend schwarze Afrikaner in Den Haag vor Gericht gestellt. Sei nicht das, was Ashby täte, »ein Beispiel der Selbstgerechtigkeit des westlichen Paternalismus?« – sie solle sich schämen! Plötzlich wirkt das Rampenlicht, in dem Ashby sitzt, wie ein harter Scheinwerfer im Verhörraum. Gleich zu Beginn der Serie wird uns die so bemühte und gewissenhafte Adoptivmutter der Hauptfigur Kate im schlechtesten Licht präsentiert.

Bücher* über den Völkermord in Ruanda:

Filmtipp* zum Völkermord in Ruanda: das Spielfilm-Drama Hotel Ruanda mit Don Cheadle (hier geht es zur Blu-ray).

Die Umsetzung von Gerechtigkeit

Bjarne Bock (Serienjunkies) sieht in diesem Auftakt eine der »stärksten Eröffnungsszenen seit der großen Wutrede von Will McAvoy (Jeff Daniels) in Aaron Sorkins The Newsroom.« Die darin frontal angesprochene Problematik des »westlichen Paternalismus« wird auch weiterhin als wiederkehrendes Motiv in Black Earth Rising aufgegriffen. Adrian Daub (Zeit Online) formuliert es so:

[…] so sehr die Serie auch mit Eves Figur sympathisiert: Black Earth Rising gibt diesem Vorwurf ein Stück weit recht. Die Frage, mit welchem Recht die Umsetzung von Gerechtigkeit in Afrika nach Den Haag ausgelagert wird, stellt die Serie ganz offen und auf vielschichtige Weise. 

Adrian Daub, in: Eine Wahrheit, die nicht sein darf · 24. Januar 2019

Der Soundtrack zur Serie:

Hauptdarstellerin Michaela Coel war bis dato vor allem als Comédienne bekannt, die mit der preisgekrönten Sitcom Chewing Gum ihr Talent als Serienschöpferin, Autorin und Schauspielerin zugleich unter Beweis stellte. Mit Black Earth Rising gibt sie ihrem schauspielerischen Profil eine ganz neue, beeindruckende Tiefe – nuanciert und energisch und absolut in der Liga des legendären John Goodman (The Big Lebowski). Das starke Ensemble ergänzen Tamara Tunie als amerikanische Staatssekretärin und Noma Dumezweni als ruandische Abgeordnete. Autor und Regisseur Hugo Blick tritt selbst als skrupelloser Anwalt in Erscheinung.

Fazit zu Black Earth Rising

Nicht nur schauspielerisch, sondern auch in der audiovisuellen Umsetzung bewegt sich die Serie auf höchstem Niveau: Aufwändige Sets in Europa und Afrika, ein Intro und ein Score, die unter die Haut gehen, sowie großartig kunstvolle Schwarzweiß-Animationen für die Rückblenden zum Genozid in Ruanda. Black Earth Rising ist ein sich über acht spannende Stunden entfaltender Politthriller, dem auf reflektierte Art und Weise die Annäherung an ein schwieriges Thema gelingt.

Buchtipp* zum Ruanda der Gegenwart, von Barbara Achermann und Espen Eichhöfer: Frauenwunderland: Die Erfolgsgeschichte von Ruanda (2018).

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