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Vaiana · Māori-Abenteuer mit Auliʻi Cravalho | Film 2016 | Kritik

Zuletzt aktualisiert am 6. Juli 2019 um 7:27

Inspiriert von der Mythologie der Māori und mit der Mission, dieser ein möglichst authentisches Denkmal zu schaffen, entstand Vaiana. Benannt ist dieser ausgezeichnete Animationsfilm nach seiner Heldin – einer 16-jährigen Häuptlingstochter, die sich aufmacht, ihr Volk zu retten. Dazu rekrutiert sie niemand geringeren, als einen Halbgott.

Score vom Bleiben
Beitragsbild zum Film »Vaiana«

Zum Inhalt: Die Insel Motunui ragt als saftig grüner Hügel aus dem weiten Meer, ein kleines Paradies auf Erden. Dort wächst Vaiana (gesprochen und gesungen von Auliʻi Cravalho) als Tochter des Stammeshäuptlings auf, dazu bestimmt, dessen Nachfolge anzutreten. Vaiana jedoch verspürt ein Fernweh. Sie fühlt sich zum Meer hingezogen – zur großen Sorge ihres Vaters, der Angst vor der See hat. Allein Vaianas Großmutter ermutigt das Mädchen, ihrer inneren Stimme zu folgen. Und als eines Tages die Heimatinsel durch eine finstere Macht bedroht wird, bricht Vaiana auf, das Unheil zu bekämpfen. Dazu muss sie Maui (Dwayne Johnson) finden, den Halbgott, der für die Finsternis verantwortlich ist.

Cuteness und Kulturdenkmal

Nach kunstvoller Exposition, in der die Legende von Maui erzählt wird, gibt’s zum Auftakt erstmal einen Cuteness-Overkill: mit der Prinzessin als Kleinkind, das einer Babyschildkröte über den Strand hilft. Dazu kommt noch das Schweinchen Pua und voilà – jetzt hätte man diese Drei eigentlich 100 Minuten lang tanzen lassen können und wäre in den Kritiken immer noch mit einem Awww!-Rating davongekommen. Doch der Film Vaiana hat so viel mehr zu bieten, als nur putzige Momente.

Vaiana wächst heran zu einer »sowas von liebenswerten« (Sonias Worte) Heldin heran, die mit Witz und Charme schon ganz ohne Abenteuer ein Erlebnis ist. Hinzukommt, dass die Stimme, die Auliʻi Cravalho – geboren 2000 in Kohala, Hawaii – dem Mädchen verleiht, in den vielen Gesangseinlagen eine beeindruckende Kraft entfaltet. Der Film Vaiana ist gespickt mit grandios Musikstücken. Kleines Beispiel:

Halbgott »The Rock« Maui

Der Halbgott Maui singt You’re Welcome (im Deutschen: Voll gerne – gesungen von Andreas Bourani, der Maui hierzulande auch synchronisierte).

Vaianas »Kenne dich selbst«-Botschaft ist die Art von Dingen, die wir wahrscheinlich unseren Kindern wünschen würden, und es gibt eine starke Resonanz dazu, wie der Film altes Volkswissen mit digitalen Mitteln vermittelt. Aber Disney hat in letzter Zeit einen hohen Standard gesetzt. Frozen (2013) trotzt seiner märchenhaften Vorlage, indem er sich auf die Schwesternschaft konzentrierte, Big Hero 6 (2015) schaffte eine clevere trans-pazifische Kulturfusion, und der exzellente Zootopia (2016) war sowohl eine bissige, originelle Komödie als auch ein wertvoller Leitfaden in Sachen Identitätspolitik. Vaiana erreicht diese Höhen nie ganz.

Steve Rose (The Guardian) · aus dem Englischen übersetzt mit Unterstützung des DeepL-Translators

Steve Rose hat recht: Disney verschiebt die Messlatte in vergangenen Jahren deutlich nach oben. Doch ich widerspreche dem Kritiker trotzdem: Vaiana spielt für mich nicht nur in Sachen Unterhaltungs- und Schauwert in einer Liga mit dem legendär erfolgreichen Die Eiskönigin – Völlig unverfroren (besser bekannt als Frozen) – sondern auch was das Aufbrechen vereister Rollenstereotypen angeht.

Fazit zu Vaiana

Während der Halbgott Maui in Vaiana eher als riesiger Sidekick fungiert (Vaiana muss so ziemlich alles Wichtige alleine machen), sorgt für die emotionalen Augenblicke vor allem Vaianas Großmutter. Wie immer bei Disney ist auch Vaiana generationsübergreifend ein Film, an dem die ganze Familie ihre Freude haben kann. Besonders gefällt mir persönlich die Detailliebe, mit der die kreativen Köpfe hinter diesem Film die Kultur der Māori in das Universum ihrer Animationswelten aufgenommen haben. Technisch ist die Animation – Haare, Sand, Wasser, wow! – durchweg zum Staunen.

Filmtipp: Wer an einem Realfilm über die Māori interessiert ist – mit einer Häuptlingstochter, die weniger Anerkennung erfährt, als Vaiana – sollte sich Whale Rider (2000) von Niki Caro ansehen.

Im US-amerikanischen Original heißt Vaiana – Film samt Heldin – übrigens Moana. Da es in Europa jedoch bereits eine Miniserie mit diesem Titel Moana gibt (über das Leben der jung verstorbenen Schauspielerin Moana Pozzi, die für ihre Rollen in »Erwachsenenfilmen« bekannt war), wurde der Kinderfilm kurzerhand umbenannt.

Zu guter Letzt, diese glänzende Performance:

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