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PLANET DER AFFEN im Wandel der Zeit | Filme 1968/70, 2014 | Vergleich

Zuletzt aktualisiert am 20. Dezember 2018 um 11:07

Unter dem frischen Eindruck des allerneusten Affenfilms – Planet der Affen: Revolution (2014) – war ich endlich in der Stimmung, mal wieder ein paar Klassiker zu konsumieren: Den allerersten Affenfilm mit Charlton »Waffennarr« Heston und Kim »Zira« Hunter. Und warum sich nicht gleich den Primaten-Overkill geben und den allerzweiten Streifen direkt hinterher suchten? Aber der Reihe nach… oder, nee. Nicht der Reihe nach: Ein kleiner Vergleich dreier Meisterwerke. Spoiler: Eines davon ist keines.

Affentheater hoch Drei

Drei Standbilder aus der Filmreihe Planet der Affen

Planet der Affen: Revolution (2014)

In »fulminantem« 3D im Kino gesehen. Und ja, fulminant war’s wirklich. Wahnsinn, wie weit die Animation-Schmieden fortgeschritten sind, mit welchem Genie sie Leben an die Leinwand zaubern und so irre echt aussehen lassen. Die zahlreichen Primaten im neusten Affenfilm sind enorm realistisch und detailverliebt gestaltet, von den kleinen Härchen, dem nassen Fell, der vernarbten Haut, den Bewegungen, den Lauten.

Die Filmemacher tun gut daran, den Zuschauer*innen die Möglichkeit zu geben, sich im Laufe des – ich glaube – zweieinhalbstündigen (gefühlt dreistündigen) Epos an den Affen, den Stars des Films, sattsehen zu können. Ist einfach hochinteressant. Wie im Zoo.

Reitet ein bewaffneter Affe durchs Feuer…

Zur Logik allerdings: Wenn seit dem ersten Film der neuen Reihe ganze 10 Jahre vergangen sind, können diese Viecher doch sooo helle nun auch wieder nicht sein, angesichts der bescheidenen sprachlichen Fortschritte, die sie in der Zeitspanne gemacht haben (»Affe nicht tötet Affe«… wohin ist die Wirkung von dem hocheffizienten Intelligenz-Push-Gen?). Nichtsdestotrotz: Der neue Affenstreich ist extrem opulent, spektakulär, meisterlich, aber wenn man sich zwischendurch bewusst macht, dass man da einem Affen zuschaut, der auf einem Pferd durchs Feuer reitet, in jeder Hand ein Maschinengewehr, mit denen er will schreiend rumballert wie blöde – dann ist dieser Film, so ernst er sich auch nimmt, ehrlich gesagt, irgendwo auch einfach nur hochwertiger Trash.

Hier der Trailer zum Film Planet der Affen: Revolution:

Der Planet der Affen (1968)

Das Original mit Charlton Heston und Kim Hunter aus den späten 60ern. Habe ich aus einer Laune heraus gleich am Morgen nach dem eindrucksvollen Kinobesuch gesehen. Ich muss sagen: So mies sehen die Affenpuppen hier gar nicht aus. Aber herrje, hat mich aufgeregt, dass denen nichts Besseres eingefallen ist, als die jüngere Menschheitsgeschichte mit ihren Hierarchien, Diskriminierungen, Experimenten, ja sogar dem ganzen religiösen Bums einfach zu wiederholen. Wie lahm! Und dann sprechen diese Affen auch noch Englisch! Why the fuck!?

Bei all den Sprachen, die man sich auf einem fernen, fernen Planeten hätte ausdenken können, sprechen sie praktischerweise die Sprache der Menschen, die dort landen. Dieses Detail mich tatsächlich den ganzen Film über so sehr gelaust, das konnte die letztlich doch ziemlich coole Pointe nicht wieder gutmachen. Na ja, ein bisschen. Der Film hat’s echt geschafft, in den letzten beiden Einstellungen mein Bild vom Gesamtwerk zum Besseren zu revidieren. Hätte jedoch gerne früher gewusst, was Sache ist… wäre sicher besser gewesen, oder nicht?

Rückkehr zum Planet der Affen (1970)

NEIN. Dickes, fettes NEIN. Denn beim unmittelbaren Sequel – Rückkehr zum Planet der Affen aus 1970 – tun sie genau das: Es ist sofort klar, was Phase ist, und dementsprechend langweilig gestaltet sich der Rest der Handlung. Wieder einmal fällt denen (den Autor*innen, den Produzent*innen?) nichts Besseres ein, als eine Menschen-Geschichte (Diktatur, Unterdrückung, blah, blub) einfach mit Affen zu erzählen. Im umgekehrten Rollen quasi. Genial.

Weil Charlton Heston wohl keine Zeit hatte oder zu wie Geld wollte, landet einfach ein zweites Raumschiff auf dem Planeten, aus dem jemand hüpft, der wie Charlton Heston aussieht. Reicht doch.

Hier eine kurze Collage aller Tode, die in diesem Film gestorben werden:

Atombomben und Telepathie

Noch ein letztes, verzweifeltes Wort zur Logik: Die Leute in lustigen Ganzkörper-Kondomen schreiben dem Quasi-Charlie eine »limited intelligence« zu, beten aber eine »göttliche Atombombe« an, mit denen sie die materialistischen Affen bekämpfen können… einer von dieser »Weisen« sieht passender Weise wie Dr. Strangelove aus. Da denke ich mir doch: ACH, HÖRT EINFACH AUF! Dieser Rummel ist ja so absurd angestrengt ausgedacht, wo ihr – gebt’s zu! – einfach nur einen verdammten Planeten voller Affen zeigen wollt. Zeigt doch einfach den Planeten voller Affen. Ernsthaft. Befreit ein paar Dutzend Affen aus ihren Käfigen und zeigt, was passiert. Hat schon in 28 Days Later für’n super Film gesorgt.

Filme im Vergleich: Auch Romeo & Julia haben uns inzwischen zahlreiche Verfilmungen beschert. Drei davon vergleichen wir in diesem Blogbeitrag.

Nachtrag: Bin zum Glück nicht allein in meiner Ärgernis über diese paradoxe Mischung aus »zu durchdacht, aber nicht bis zu Ende durchdacht« in Rückkehr zum Planet der Affen. So schreibt Bwaffles über die Telepathie-fähigen Menschen, die in diesem Film vorkommen (hab ich die noch nicht erwähnt? Ups.):

[Diese Menschen] können via Gedanken kommunizieren – und wenn wir sie erstmals kennenlernen, ist das alles, was sie tun: Sie sprechen nicht einmal. Dann entscheiden sie, dass sie mit Brent [der Hauptfigur] sprechen – weil’s für ihn einfacher ist. Nun, wenn Telepathie so kraftvoll ist, wie kommt’s, dass diese Menschen den Rest des Films über sprechen, selbst wenn keine nicht-telepathischen Menschen zugegen sind? Es ist, als wenn die Autoren gesagt hätten: »Hey, schau dir diese super coole Idee an! Idee gecheckt? Ok, prima, dann lassen wir sie jetzt wieder sprechen, weil wir zu faul sind, es durchzuziehen.« Sie hätten’s einfach via Voice Over machen können.Bwaffles, in: The Waffleton Post (12.04.2015)

Fazit

Vielleicht sollte ich einfach mal das Buch lesen – Planet of the Apes (1963) von Pierre Boulle. Oder vielleicht auch nicht. Anderthalb Stunden beknackte Unterhaltung sind okay, für ein Buch braucht man ja so seine 6 bis 12 Monate… Ich freu mich jedenfalls schon auf den nächsten, dritten Affenfilm der neuen Trilogie. Das wird die reinste Materialschlacht. Heißt dann vielleicht Planet der Affen: Evolution. Besser fände ich aber: Planet der Affen: Bodylotion – wer reibt jetzt wen ein? Mmmh, gibt’s eigentlich Porno-Ableger von Planet der Affen? […kurz gegoogelt…] Oha. Ja. Gibt’s. Bye bye.

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