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WACKEN 3D über das Wacken Open Air | Film 2014 | Kritik

Zuletzt aktualisiert am 27. Dezember 2018 um 20:11

Meine Heimatstadt Bocholt liegt ein halbes Autostündchen von Haldern entfernt. Egal woher die lieben Leser*innen kommen mögen: mit einem halbwegs gediegenen Musikgeschmack, der sich ein wenig jenseits aktueller Radiocharts bewegt, dürfte man im deutschsprachigen Raum schon von Haldern gehört haben. Genauer: vom Haldern Pop Festival, das alljährlich ein paar wenige Tausend Musikfans nach Haldern lockt (hier der Festival-Bericht 2014). Ist eine ziemlich große Sache hier. Aber wohl nix im Gegensatz zum Wacken Open Air, dem jetzt ein eigener Film gewidmet wurde: Wacken 3D.

Das Wacken-Feeling

Wacken, dieser Begriff sagte mir bis vergangenen Mittwoch nichts. Ja, ich hatte mal vage von einem Festival gehört, das so hieß, aber stets im Kontext mit Musik, für die ich ohnehin nicht empfänglich bin, also… links rein, rechts raus. Doch wie das Leben so spielt: Aus einer lustigen Laune heraus begleitete ich einen Kollegen, seinerseits gestandener Metal-Fan, in die Vorpremiere der Dokumentation Wacken 3D. Ohne jegliche Vorkenntnisse.

Zwei Metal-Fans auf dem Wacken Festivals, Standbild aus dem Film »Wacken 3D«, Bild: WÜSTE Film

Erst einmal: Wacken 3D von Norbert Heitker ist irgendwie keine Dokumentation, weil der Blickwinkel, oder die transportierte Stimmung, wie auch immer, sehr einhellig positiv ist. Nennen wir das Kind beim Namen: Wacken 3D ist ein anderthalb-stündiger Imagefilm, der aber – und das will was heißen! – bei all seiner Süßholz-Raspelei nicht nervig wird.

Im Gegenteil: Wacken 3D hat mir eine vermeintlich düstere Szene sehr sympathisch gemacht – was diese überwiegend schwarz gekleideten, gerne maskierten, oft geschminkten, langhaarigen, gepiercten, tätowierten, kurzum bunten Musikfreund*innen da veranstalten, hat was vom Kölschen Karneval. Nur die Farbpalette ist ne andere – und sogar die Musik hat mich jetzt nicht so sehr plattgemacht. [Randnotiz: höre eher so theAngelcy und Novo Amor, etwas anderes Kaliber.] Könnte aber auch daran liegen, dass die Filmemacher bewusst die eher massentauglicheren Konzertschnipsel gewählt haben.

Kleines Stimmungsvideo zum Wacken Open Air:

Nachtrag: Im Zuge der #MeToo-Debatte – wie geht man eigentlich gegen sexuelle Gewalt auf einem Festival mit Zehntausenden Besucher*innen vor? Das Alexandra Eul (Emma) mal Heidrun Vogler, die Security-Chefin des Wacken Open Air gefragt, im Juni 2018.

Mit dabei in Wacken 3D: was von Rammstein, Deep Purple, Alice Cooper. »Sehr Mainstream, die harten Sachen waren nicht drin«, so ein Zitat des besagten Kollegen, der den einen Song-Ausschnitt, den ich am besten fand, mit dem Wörtchen »schwul« kennzeichnete. Na ja. Ach, und wie knapp 90.000 Metalheads in ein 1.800-Seelen-Dorf einfallen, das ist in jedem Fall ein irres Schauspiel, bei dem kinowürdige Bilder nur eine logische Konsequenz sind.

Fazit zu Wacken 3D

8/10 Punkte, was auch an der großen Leinwand liegt. Denn Wacken 3D ist – wie der Titel nahelegt – in 3D gedreht (nicht nachträglich konvertiert) und bringt diesen Effekt ein paar Mal ordentlich zur Geltung. Auf dem heimischen Laptop gäb’s vermutlich noch ein paar Punkte Abzug. Aber hey, ist ja immer bloß ne total subjektive, situative, so la la Wertung. Heute sage ich: Der Film ist sehenswert! So.

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