Unterwegs

NODYSSEY · theAngelcy im artheater, Köln | Album 2018, Konzert 2019

Zuletzt aktualisiert am 25. Januar 2019 um 8:07

Zum mindestens vierten Jahr infolge ist die israelische Band theAngelcy auf Europa-Tournee, inzwischen mit ihrem zweiten Album, Nodyssey. Nach Oberhausen (2016), Lübeck (2017) und Düsseldorf (2018), haben wir das Sixtett nun im Kölner artheater erlebt – genau die richtige Größenordnung, um mit der wachsenden Anhängerschaft dieser außergewöhnlichen Band noch in intimer Atmosphäre zu lauschen. Bei so viel Bühnenerfahrung kein Wunder: theAngelcy werden besser und besser!

Mayaan Zimry von theAngelcy im Musikvideo zum neuen Album »Nodyssey«

Herzensbiester & Mona Lisa

Das letzte Mal, als ich im artheater in Köln war, drehten wir dort eine Szene für einen Kurzfilm im Auftrag zweier befreundeter Schauspieler. Das Buch dazu hatten sie auf Englisch verfasst, um ein größeres Publikum erreichen zu können. Ob es Rotem Bar Or, dem Frontsänger und Songwriter der Band theAngelcy auch um eine möglichst weitreichende Hörerschaft geht und er deshalb – so auch im neuen Album Nodyssey – seine Songtexte auf Englisch schreibt? Diese Frage stellte ihm vor drei Wochen Shahni Ben-Haim (TimeOut).

Bereits in jungen Jahren konnte ich die Lieder auf Englisch und Hebräisch nachahmen, die ich im Radio hörte, so dass es nicht so sehr ein Schritt war, mit dem Schreiben auf Englisch zu beginnen. Was passierte – schätze ich – ist, dass ich irgendwann fast vier Jahre außerhalb Israels verbracht habe.

Rotem Bar Or im Gespräch mit Shahni Ben-Haim

Meister*innen am Werke

Er lebte in London, reiste durch Europa, Indien, kam zurück nach Israel und gründete theAngelcy. Über die Anfänge der Band schrieb ich bereits im Konzertbericht zum Düsseldorfer Auftritt im zakk, vergangenes Jahr. Da war Nodyssey noch in Arbeit – obwohl etliche der neuen Songs schon früh auf der Bühne getestet wurden. Einige davon haben das Zeug, den bereits etablierten »Klassikern« den Rang abzulaufen. Eine regelrechte Gute-Laune-Hymne auf Nodyssey ist etwa Track Nr. 8, Mona Lisa, den sich die theAngelcy im artheater für die Zugabe aufgehoben hat.

»Why is it called Mona Lisa?«, fragt Rotem in die Runde. Drummer Udi Naor beugt sich zum Mikrofon vor: »Because it’s a masterpiece.«

Und genauso wie der Song ist das Musikvideo dazu ein kleines Meisterwerk der guten Laune und Tanzlust:

Doch so fröhlich wie in diesem Nodyssey-Hit geht es nicht immer zu, bei theAngelcy. Sie beklagen das Morden und Foltern eines hungrigen Biests und verkaufen ihre Seelen an den Teufel. Doch die Welt hat sich verschworen, sie zu retten – oder ihn zumindest, diesen traurigen Typen, der gerne ein gigantisches Herz finden würde, um hinein zu krabbeln und darin zu schlafen:

where everything is still / where there is no more war / where everything is one / in your arms, where everything is one

Unser aller Angst und Hoffnung

»Feinsinnige Beobachtungen von universellen Ängsten und Hoffnungen« hieß es im Flugblatt zum Konzert. Und gewiss, das ist Teil der Magie, die von theAngelcy ausgeht. Wenn Rotem Bar Or zusammen mit Mayaan Zimry für Giant Heart zum Duett ansetzt, erheben sich Stimmen aus dem Publikum, singen mit, singen aus aller Herzen ängstlich-hoffnungsvoller Mitte. Die emotionale Treffsicherheit greift Nodyssey gekonnt wieder auf – und ebenso den politischen Anstrich. Dazu Musikkritiker Simon Conrads:

»[Der Song Holyland] täuscht dabei durch das leichtfüßige Arrangement eine wohlige Ausgelassenheit vor, der Text steht dieser allerdings diametral entgegen. »They’re the ones who are bombing people / And are killing innocent people« singt Bar Or, und dem Hörer gefriert der Bewegungsdrang in den Beinen.

Simon Conrads (Plattentests, hier geht’s zum lesenswerten Review)

Zu guter Letzt: Hier die Setlist des Konzerts am 10. Januar 2019 um 20 Uhr, im Kölner artheater:

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