Philosophie vom Bleiben

Die Naturphilosophie der Vorsokratiker | Antike

Zuletzt aktualisiert am 16. September 2019 um 6:26

In diesem Beitrag geht’s um die Naturphilosophie der Vorsokratiker und damit um die Geburtsstunde der abendländischen Philosophie zu Beginn der Antike rund 600 v. Chr. – also vor Sokrates. Daran zeigt sich, was für ein einschneidender Denker der gewesen sein muss; so einschneidend, dass diejenigen vor ihm kurzerhand als »Vorsokratiker« wegsortiert werden. Nun, wer waren diese Vorsokratiker? Und wie haben sie den Schritt von der Mythologie, um die’s im vorigen Beitrag ging, hin zur Philosophie vollzogen?

Zur Einführung ins Fach gibt es hier einen eigenen Beitrag: Philosophie für Anfänger*innen.

Beitragsbild zum Thema »Naturphilosophie der Vorsokratiker«

Die Naturphilosophie der Vorsokratiker

Schon in der Zeit der Vorsokratiker herrschte ein Zustand, der den Philosophen Platon später zu einem netten Vergleich veranlasste (Platon war ein Nachsokratiker, but that’s not a thing). Die Griechen, schrieb er, säßen ums Mittelmeer verteilt wie Frösche um einen Teich. Tatsächlich gab’s rund um die mediterrane Küste, vom heutigen Spanien bis zur Türkei, über 100 griechische Siedlungen und Städte. Dazu gehörte auch Milet, eine griechische Polis, also eine Bürgergemeinde um einen städtischen Siedlungskern. Milet lag nahe der heutigen Stadt Izmir.

Aus dieser Polis stammt Thales von Milet, der bekannteste aus einer Liste vorsokratischer Namen, die Platon als die »Sieben Weisen« bezeichnete. Thales gilt heute als der Begründer der griechischen Naturphilosophie und damit aus europäischer Perspektive als erster Philosoph überhaupt. Zumindest der erste, von dem wir dank Überlieferungen noch wissen – wobei die abendländische Philosophie ihren Ursprung demnach gar nicht in Griechenland hat, sondern in Kleinasien. Aus Milet stammen noch weitere wichtige Naturphilosophen der ersten Stunde.

Lesetipp: Hier geht’s zu einem Blogbeitrag über die Geschichte der Philosophie.

Vom Mythos zum Logos

Aber der Reihe nach. Quasi-philosophische Fragen setzten sich, wie wir gesehen haben, seit jeher mit der Natur auseinander. Kein Wunder, denn die Natur war es stets, die den Menschen von allen Seiten umgab – alles stand mit ihr im Zusammenhang. Daher überrascht es nicht, dass die älteste Form der Philosophie eben die Naturphilosophie ist und nicht etwa Rechtsphilosophie. Der Definition nach handelt es sich bei Naturphilosophie um die Begründung und Reflexion der Prinzipien, die der Natur zugrunde liegen. Prinzipien also, die zum Beispiel das Wachsen von Biomasse oder den Wechsel von Jahreszeiten erklären. Über zahllose Generationen hinweg hielten Geschichten über Gottheiten als Erklärungen her. Es donnert, weil der Donnergott Thor in seinem Wagen vorbeirollt.

Hier gibt’s den Beitrag über Naturphilosophie nochmal als Video:

Die Vorsokratiker waren die ersten Menschen, von denen wir wissen, die eine Erklärung der Natur nicht vom Mythos (also einer Erzählung) her versucht haben, sondern vom Logos aus. Diesem Begriff haften in der Philosophie viele, zuweilen einander ähnlich Bedeutungen an, wobei sich »Logos« in diesem Fall mit »Vernunft« übersetzen lässt. Das heißt, die Vorsokratiker versuchten, die Prinzipien der Natur auf eine Weise zu erklären, die unserem Verstand, unserem rationalen Denken logisch erscheint. Dabei suchten sie nach Elementen oder Energien innerhalb der Natur, die anderen vorausgehen – oder gar am Anfang von allem stehen.

Die Suche nach dem Urstoff

Die Suche nach dem Urstoff war ein ganz heißes Thema bei den Vorsokratikern und insbesondere bei den drei Herren von Milet. Denn neben Thales kamen auch die Naturphilosophen Anaximenes und Anaximander daher. Für Thales bildete Wasser den Urstoff, aus dem alles andere hervorgegangen sein soll. Das war eine Idee, die es auch in der Mythologie schon gab – etwa bei Homer, wobei der mit Okeanos als dem »Ursprung von allem« eben noch einen Flussgott an die erste Stelle setzte, Thales wiederum meint das Element Wasser. Anaximenes erklärte die Luft zum Urstoff und Anaximander wiederum das »Un-Begrenzte«.

Andere Vorsokratiker suchten nicht nach einem Urstoff, sondern Urkraft oder Urfunktion. Am bekanntesten ist Heraklit mit seinem Grundsatz »pantha rhei« (»Alles fließt«). Im vorhin genannten Logos entdeckte Heraklit eine Art allgemeines Gesetz, das alles erschafft, ordnet und vorherbestimmt – seine Auslegung vom Logos-Begriff wurde später von der Stoa übernommen, dazu mehr im Beitrag über Epikureismus und Stoizismus. Heraklits Meinung nach befand sich die Welt in einem ständigen Werden und Wandel.

Der letzte Naturphilosoph

Zu guter Letzt sei hier Demokrit genannt, der zwar ein Zeitgenosse von Sokrates war, seinem Denken nach aber den Vorsokratikern zugerechnet wird, als letzter namhafter Naturphilosoph. Demokrit stimmte Heraklit zu, dass alles »im Fluss« sei, doch er bestand auch auf kleinste und ewige Teilchen, aus denen sich die Welt zusammensetzt. Diese Teilchen nannte er Atome. Ganz schön vorausschauend, dieser Demokrit. Bevor wir jetzt aber in die Physik abdriften, vollziehen wir die sokratische Wende – weg von der Naturphilosophie und Fragen zur Weltordnung hin zu Themen, die direkt uns Menschen betreffen. Mehr dazu im nächsten Beitrag.

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