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Bonding · Serie über BDSM | Kritik: Nicht gerade fesselnd

Zuletzt aktualisiert am 28. April 2019 um 19:44

Die Mini-Serie Bonding (auch geschrieben: BONDiNG) wird von der deutschen Wikipedia aktuell [im April 2019] ganz putzig mit »Erwachsenen-Comedy« beschrieben. Als handele es sich um einen quasi-pornografischen Inhalt. Dabei verhalten sich die Erwachsenen darin in Bezug auf Fetische und Vorlieben wie Kinder, die über »Sex« kichern – ziemlich verunsichert ob dieser komischen Sachen, die Erwachsene machen. Bonding ist freigegeben ab 16 Jahren und seit dem 22. April 2019 auf Netflix verfügbar. Geschrieben und inszeniert wurde die Serie von dem Schauspieler Rightor Doyle (Barry, You’re the Worst).

Score vom Bleiben
Beitragsbild zur Serie »Bonding«

Hau raus die Kalauer

New York bei Nacht. Vor einem rot beleuchteten Kellereingang rauft sich Pete Carter (Brendan Scannell) die roten Haare und hadert mit dem Eintreten. Drinnen erwartet ihn Tiffany »Tiff« Chester (Zoe Levin), hier unten bekannt als »Mistress May«. Die ehemaligen Highschool-Freunde sind sich offenbar zufällig wieder begegnet und Tiff hat Pete ein geheimnisvolles Angebot gemacht. Geheimnisvoll insofern, als der junge schwule Mann nicht wirklich weiß, was er in dem SM-Studio eigentlich soll… und so wird Pete, der sich eigentlich als Comedian versucht, zum Assistenten einer Domina – sehr zur Freude seines Mitbewohners Frank (Alex Hurt).

The first series can be binge-watched in under three hours. More, again, harder please.

Lucy Mangan (The Guardian) gibt 4 von 5 Sternen

Bonding besteht aus sieben Episoden von jeweils rund 15 Minuten, was einer guten Spielfilmlänge entspricht. Da es sich aber um keinen Spielfilm handelt, bedarf es auch keiner übergeordneten Dramaturgie. Stattdessen plätschern die Viertelstunden dramaturgisch ziemlich gleichwertig vor sich hin, angefangen mit einem Piloten nach dem konventionellen »Ein Tag im Leben der Figur XY«-Schema. In Folge 3 bekommen die beiden Hauptfiguren Pete und Tiff eine Szene, die auf etwas mehr charakterliche Tiefe hoffen lässt – doch dorthin begibt sich die Serie im weiteren Verlauf dann doch nur selten. Im Großen und Ganzen ist Bonding eine kurzweilige Kostümparade, in der ausgewählte Fetische und Neigungen für Klamauk und Kalauer herhalten. Die BDSM-Szene darf sich zurecht mies repräsentiert fühlen.

Keine Serie über BDSM

Es ist aber auch kniffelig, Rollenspiele und die Psychologie zwischen ihren Akteuren gelungen zu inszenieren – jenseits von billiger Sexploitation à la The Pet (2006) oder One Hour Fantasy Girl (2009), beziehungsweise der Hochglanz-Trilogie Fifty Shades of Grey (2015-18), die eher Romantisierung von Missbrauch als Thematisierung von BDSM betreibt. Ein gutes Beispiel für die schmale Gratwanderung ist Secretary (2002) mit Maggie Gyllenhaal. Bonding jedenfalls stellt kaum den Anspruch, als »Serie über BDSM« zu gelten.

Das Safeword-Konzept dient darin, buchstäblich, als Pointe – und andere Regeln wie »Safe, Sane, Consensual« werden nicht nur ausgeklammert, sondern kommentarlos gebrochen. Was schade ist, angesichts des autobiografischen Ansatzes: Rightor Doyle bezeichnet die Prämisse der Serie als »lose basierend auf meinen realen Lebenserfahrungen während meiner Zeit als Assistent einer Dominatrix, als ich erstmals nach New York zog«. Die zeitgenössisch-politische Komponente (Stichwort: #MeToo), die Doyle in einem Insta-Statement proklamiert, ist etwas zaunpfahl-esk in die Serie eingebunden.

Fazit zu Bonding

Es gibt ein paar schöne Dialoge (»Waren wir Loser, in der Schule?«) und lustige Momente (zumindest im Originalton: »…and don’t you watch my penguin ass march away!«) – doch insgesamt fällt Bonding durch. Zoe Levin und Brendan Scannell liefern wohlgemerkt starke Performances, die Krux liegt eher im Drehbuch und den kleinen Rollen. Bei mir landeten nicht einmal die Hälfte aller Pointen und die Darstellung der verschiedenen, allesamt recht überdrehten Kinkster erschien mir eher anstrengend als amüsant.

Die Art und Weise, wie Leute von Tischen fallen oder Räume betreten, ohne von den Anwesenden bemerkt zu werden, ist purer Slapstick – und wenn Bonding in der finalen Folge plötzlich ein ganz neues Genre betreten will, geschieht das derart unbeholfen, dass man froh ist, wenn endlich der Abspann läuft. You’re not American fucking Psycho.

Eine etwas positivere Bilanz zieht Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de.

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