Philosophie vom Bleiben

Werte und Normen in Moral und Ethik | Unterschied

In diesem Beitrag geht es um Werte und Normen als Basis unserer Moral und Ethik. Wie unterscheiden sich diese Begriffe? Legen wir direkt los!

Aristoteles, Beitragsbild zum Thema »Werte und Normen«

Lesetipp: Hier geht es, ergänzend zu diesem Beitrag über Werte und Normen, zu einer Unterscheidung der Begriffe Moral und Ethik.

Was sind Werte?

Ein Wert ist der geschätzte oder errechnete Gehalt eines Wertträgers. Ein solcher kann materiell sein (der Wert einer Uhr), oder immateriell bzw. ideell (der Wert der Armbanduhr, die dir deine Großmutter vererbt hat und die seit über fünf Generationen in Familienbesitz ist). Ob ein Wert richtig oder falsch ist, kann objektiv sein (der Ergebniswert einer Mathe-Aufgabe) oder subjektiv (der Empfindungswert einer Moral-Frage). Es heißt, in unserer westlichen Kultur seien wir geprägt von einer dualistischen Weltanschauung, die uns oft vorgaukele, es gäbe nur entweder/oder, während in östlicher Philosophie der Einheitsgedanke dominiert. Ich tu’s schon wieder! Die Kategorisierung in »westlich/östlich«, begleitet von Allgemeinsätzen, die niemals der komplexen Wirklichkeit gerecht werden. Das gilt auch für alles, was wir als gut/schlecht, richtig/falsch, respektive – ästhetisch betrachtet – als schön/hässlich verbuchen, wie wir es vermittels unserer Werte und Normen zuweilen tun.

Hier gibt’s den Blogbeitrag in Bild und Ton:

Werte und Mittelwege

Wenigstens im Ost/West-Gedanken scheint der Dualismus sich mit Wahrnehmung und Wirklichkeit zu decken. Es gibt eben zwei Richtungen, links/rechts, stimmt. Aber es gibt auch Raum dazwischen. Während wir logische oder mathematische Werte wie Koordinatenpunkte darstellen können, sind ästhetische oder moralische Werte eher wie Gradangaben auf einem Thermometer. Es gibt heiß und kalt, aber wo diese Werte liegen, hängt stark davon ab, welche Person in welcher Situation gefragt ist – und die Wohlfühltemperatur liegt sowieso immer irgendwo dazwischen. So ist es auch kein Zufall, dass Aristoteles in seiner berühmten Tugendethik den Mittelweg empfiehlt. In Sachen Geld heißt das: Sei weder geizig noch verschwenderisch, sondern großzügig. In Sachen Mut: Sei weder feige noch lebensmüde, sondern tapfer. Tapferkeit ist in diesem aristotelischen Sinne eine Tugend und damit ein moralischer Wert.

Lesetipp: Gehen unsere moralischen Werte auf unsere tierische Abstammung zurück? Hier ein Blogbeitrag über Moral im Tierreich.

Werte und Normen per Gesetz

Nun mutet Tapferkeit als eine individuelle Eigenschaft an. Ein Mensch hat diese Eigenschaft, oder eben nicht. Aber wir haben die Tapferkeit auch für unser Gesellschaftsleben als Wert adaptiert, in Form der Zivilcourage. Bis zu einem gewissen Grad fließt diese Tugend sogar in geltende Gesetze ein, zum Beispiel in den Paragraph zur Unterlassenen Hilfeleistung:

Wer bei […] gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet [also feige ist], obwohl dies […] ohne erhebliche eigene Gefahr [also ohne lebensmüde zu sein] […] möglich ist, wird […] bestraft.

Gesamter Paragraph unter: dejure.org

Manche mögen meinen: Das ist doch eine Selbstverständlichkeit! Dennoch erfordert es Tapferkeit, was uns das Gesetzbuch da abverlangt. Damit kommen wir zum zweiten Teil unseres Beitrags über Werte und Normen.

Was sind Normen?

Eine Norm ist eine Regel oder Vorschrift. Das kann ein moralisches Prinzip sein, oder ein geltendes Gesetz. Von »Norm« sprechen wir auch im Sinne einer Verhaltenserwartung, die eine Person gegenüber sich selbst haben kann, oder die gegenüber einer Gruppe oder Gesellschaft besteht – eine statistische Norm aufgrund mehrheitlicher Übereinkunft zum kollektiven Nutzen. Für die Normen einer Glaubensgemeinschaft oder Ideologie (sowas wie: Kein Sex vor der Ehe) gibt es noch den Begriff der Idealnorm.

Normen sind dazu da, um das Bestehen eines sozialen Gebildes zu wahren – von einer Partnerschaft zweier Menschen bis hin zum Staatenverbund mit Millionen von Menschen. Dabei berufen sich Normen bestenfalls auf moralische Werte, etwa Treue in einer Partnerschaft oder Gerechtigkeit in einem Staatenverbund. Ein weiteres Beispiel für Werte und Normen im Zusammenspiel liefert etwa der EU-Vertrag. So lautet Artikel 2 des EU-Vertrags:

Die Werte, auf die sich die Union gründet, sind die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte […]

Kategorische Norm, hypothetische Norm

Insbesondere der Begriff »Menschenwürde« impliziert eine kategorische Norm. Das heißt, eine unbedingte Regel mit universellem Charakter: Die Würde eines jeden Menschen ist unantastbar – unabhängig von irgendwelchen individuellen Ansichten, Eigenschaften oder Interessen. Ein Gebot wie »Du sollst nicht töten!« ist auch eine solche kategorische Norm. Demgegenüber lässt sich eine hypothetische Norm in Wenn-dann-Sätzen ausdrücken. Hier geht’s hingegen durchaus um das Individuum und dessen Interessen. Hypothetische Normen finden sich in allen Lebensbereich: Wenn du Französisch lernen willst, dann solltest du dich intensiv mit der Sprache beschäftigen – nur so wirst du dein Ziel, normalerweise, erreichen.

Werte und Normen, Ziele und Mittel

In der Ethik stellen Werte die erstrebenswerten Ziele für unser moralisches Handeln dar. Normen wiederum dienen als Mittel, um diese Ziele zu erreichen oder sich ihnen anzunähern. Denn an dem besagten EU-Artikel zeigt sich, dass wir unsere feierlich verkündeten Werte im alltäglichen Miteinander hin und wieder aus den Augen verlieren. Werte und Normen sind somit die Ziele und Mittel eines guten Zusammenlebens.

Die Anerkennung oder Bestrafung bestimmter Handlungen, sei es durch die Gesellschaft oder durch die Justiz, kann dabei als Korrektiv funktionieren und uns bei Bedarf wieder auf den richtigen Weg bringen. Allerdings müssen wir auch hier unseren Maßnahmenkatalog – ebenso wie unsere Werte und Normen – immer wieder darauf prüfen, ob er noch angemessen ist.

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