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The Long Night · Game of Thrones, Episode 8.3 | Kritik


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Zuletzt aktualisiert am 8. Mai 2019 um 9:24

55 Drehnächte mit Hunderten Menschen unter ungemütlichen Bedingungen: Der schon im Vorfeld viel diskutierten Episode The Long Night sieht man den irren Aufwand an, der hinter dieser epischen Schlacht steht (auch wenn man manchmal nicht ganz so viel sieht, dazu gleich mehr). Geschrieben wurde die 70. Folge der Serie Game of Thrones von den Showrunnern höchstselbst, David Benioff und D. B. Weiss. Regie führte der mit Hardhome (5.8) und Battle of the Bastards (6.9) bereits GoT-Schlacht-erfahrene Engländer Miguel Sapochnik (Repo Men). Satte 82 Minuten Laufzeit machen The Long Night zur längsten Episode der Serie – veröffentlicht wurde sie am 28. April 2019. Die unmittelbaren Kritiken fallen gemixt aus, wobei hier ganz klar ein positives Fazit gezogen wird, nicht nur wegen des grandiosen Endes!

Score vom Bleiben
Beitragsbild zur Game-of-Thrones-Episode »The Long Night«

Hinweis: Dieser Beitrag über The Long Night enthält keine Spoiler für die achte Staffel von Game of Thrones – abgesehen davon, dass (wie immer) die genannten Protagonisten offenbar noch leben. Hier geht es zu ebenfalls spoilerfreien Kritiken der vorausgehenden Episoden Winterfell (8.1) und A Knight of the Seven Kingdoms (8.2).

Mit Anlauf in den Serienolymp

Die Nacht ist lang und voller Schrecken… rund um die Burg Winterfell stehen die versammelten Armeen von Westeros in Reih und Glied und erwarten den Tod – und zwar in grausiger Gestalt auf vielen Tausend Beinen. Doch aus der Dunkelheit taucht zunächst einmal eine einsame Reiterin auf: die rote Priesterin Melisandre (Carice van Houten). Auch sie wird ihren Teil zur Schlacht beitragen, in die sich – allen voran – die Dothraki stürzen. Vor den Augen von Brienne (Gwendoline Christie) und Jamie (Nikolaj Coster-Waldau), die Seite an Seite kämpfen werden, galoppieren die Dothraki voraus in der Finsternis. Was zur Hölle treffen sie dort?

Das Heer von Untoten unter dem Kommando des Nachtkönigs, wie Fans der Serie längst wissen. Als diese Untoten endlich auf die Armeen zustürmen, blind wütend auf die ersten Reihen prallen und wie ein gefräßiger Riesenorganismus über die Kämpfenden hinweg klettern, in angsteinflössender Geschwindigkeit – da können Sympathisant*innen des Zombie-Genres (von denen es mindestens so viele gibt, wie Zombies im Heer des Nachtkönigs) die Serie nur feiern. Dafür, dass sie World War Z und The Walking Dead beiläufig in den Schatten boxt. Game of Thrones vereint einfach das Beste aller Welten und wirft zum monumentalen Mittelalter-Epos mit sagenhaften Drachen, Riesen, Reitern, Schattenwölfen und Schwarzer Magie auch noch Untote in den Ring. Mythologie von anno dazumal trifft auf die Popkultur jüngster Jahrzehnte – richtig gutes Zeug!

The Long Night und Helms Klamm

Nicht, dass es Leinwand-Kämpfe mit epischen Heerscharen im 21. Jahrhundert noch nicht gegeben hätte. Regisseur Miguel Sapochnik hat die Schlacht um Helms Klamm aus Der Herr der Ringe: Die zwei Türme (2002) studiert. Er wollte ein Gefühl dafür bekommen, wann das Publikum vor lauter Schauschlachten ermüdet. »Je weniger Action – je weniger Kampfgeschehen – du in einer Sequenz zeigst«, so verriet Sapochnik im Interview mit Entertainment Weekly seine Erkenntnisse, »desto besser.« Folglich lieferte die Episode The Long Night einen erfrischenden Genre- und Tempowechsel. Zwar spielt sich die gesamte Folge (mal wieder) auf und um der Burg Winterfall ab, dort jedoch allerorts, innen, außen, darüber, darunter, wobei selbst Verstecke wie die Krypta sich als tödliche Fallen erweisen. Das erzählerische Einfallsreichtum ist absolut fantastisch.

Apropos Herr der Ringe: Angesichts der Aussichtslosigkeit dieser Schlacht werden gestandene Fantasy-Fans sich fragen, ob sich da nicht was »gandalfen« lässt? Kommt zum Beispiel der »Lord of Light« als Deus Ex Machina daher? Lasst euch überraschen.

Auch auf Seiten der filmtechnischen Umsetzung hat man sich einiges einfallen lassen, um die Untergangsstimmung in dramatischen Bildern spürbar werden zu lassen. Visuell ist The Long Night dabei ganz anders in Szene gesetzt, als etwa Battle of the Bastards. Nicht nur bei Nacht, sondern im vernebelten Sturmgeschehen. Eben dafür wird The Long Night auch maßgeblich kritisiert: man erkenne zu wenig.

Drachen im Mondlicht

Bei einem schlechten Stream (danke für nichts, Sky*!) stimmt das: Man kann diese Episode nur genießen, wenn die Auflösung und die Lichtverhältnisse stimmen. Doch dann geht der Plan auf: Apokalyptischer hätte man diesen gigantischen Kampf kaum filmen können. Ja, es geht hektisch zu, aber es gibt auch puren Augenschmaus in Verschnauf-Momenten wie dem über den Wolken, mit zwei Drachen, die sich im Mondlicht hinabstürzen wie Raubvögel ins Meer.

*Ich empfehle, lieber einen Tag zu warten und Game of Thrones via Prime Video zu schauen. Mein Sky Ticket habe ich noch Montagabend gekündigt, nach einer verrauschten, stockenden ersten halben Stunde der Episode The Long Night, die ich dann erst tags drauf im zweiten Anlauf gesehen habe. Ich will nicht meckern, weil das Sky-Angebot, für 4,99 Euro die Staffel sehen zu können, lächerlich billig war – aber so billig haben sie auch abgeliefert.

Fazit zu The Long Night

Das Ende dieser Episode überrascht grandios. Keine Oha-krass!-Überraschung, sondern eine WTF-Ich-jump‘-hoch-und-schrei-die-Serie-an-Überraschung. Für dieses Feeling und überhaupt die Gänsehaut, die Verzweiflung und das Staunen kann ich The Long Night nur volle Punktzahl geben. Zumal mir persönlich die extrem düstere Inszenierung absolut passend erschien: Endzeitstimmung, Leute! Seid froh, dass da überhaupt noch ein, zwei Lichtlein brennen. Dramaturgisch ist es phänomenal, wie über Jahre entwickelte Charaktere zu wichtigen Höhepunkten ihrer Held*innenreise kommen – oder eben zu ihrem Ende. Drei Folgen von Game of Thrones stehen noch aus. Jetzt kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Dieses Werk sitzt wackelfest im Serien-Olymp.

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